»When will my life start to shine?« – Kritik zu »Beol-sae«

Vincent
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Atmosphärisch und ergreifend, fein und edel. »Beol-sae« ist ein vollkommener Film.
Wenn ich mich an dieses Seheerlebnis zurückerinnere, bekomme ich immer noch Gänsehaut.
138 Minuten lang ist das Langfilmdebüt der südkoreanischen Regisseurin Kim Bo-ra.
Ich werde durch jeden Moment getragen. Es fühlt sich an, als würde ich schweben.

Uns wird die Geschichte von Eun-hee erzählt, die sich im Seoul des Jahres 1994 zurechtfinden muss. Sie findet keinen Halt in der konservativen und aus heutiger Sicht moralisch verwahrlosten, missbrauchenden Familie oder bei den sie nicht verstehenden Schulkameraden und ihrer einzigen Freundin.
Eun-hee verliebt sich und wird enttäuscht. Sie wandelt durch das an ihr vorbeigehende Leben bis sie auf ihre neue Chinesischlehrerin Young-ji trifft, von der sie Aufmerksamkeit und Liebe bekommt und Inspiration findet. Young-ji hat eine noble Seele. Sie geht ganz sachte und fein, fast schon erhaben mit der verunsicherten Eunhee um. Die Interaktion der Beiden fühlt sich ganz besonders und einzigartig an.

Beol-sae | House of Hummingbird Generation 2019 KOR 2018 von: Kim Bo-ra Kim Sae-byuk, Park Ji-hu © Epiphany Films

Wenn ich Eun-hee in die Augen blicke, finde ich meine eigenen Unsicherheiten und Zweifel wieder. Im anschließenden Q&A verstärkt mir die Regisseurin und Drehbuchautorin Kim Bo-ra den Eindruck eines sehr persönlichen, aber nicht weniger perfekt inszenierten Filmes. Inspiriert wurde das autobiographische Bewegtbild von einem Albtraum der Regisseurin, in dem sie wieder zur Schule gehen musste.
In der Gesellschaft, in der Eun-hee groß wird, geht es nur um Leistung und Vereinheitlichung. Es fällt mir nicht schwer, ihr Gefühl der Einengung zu teilen.
Ein weiterer zentraler Bestandteil Bo-ras komplexen Werkes ist das Finden der eigenen sexuellen Identität. Sie geht mit diesem Thema ganz sensibel und natürlich um und verfällt zu keinem Zeitpunkt in stereotypisiertes, plakatives Erzählen. Dinge passieren, ohne dass sie zwangsweise benannt werden müssen. Kim Bo-ra hat Kino verstanden.

Ich kann das Interview der Regisseurin mit dem »Teddy Award« - Team sehr empfehlen. Es spiegelt meine Seherfahrung wider und zeigt abermals, wie überaus durchdacht der Kopf hinter diesem großartigen Film ist.
Hier ist der Link.

15.02.2019, Vincent Edusei



»When will my life start to shine?« – Review of »Beol-sae«


Atmospheric and moving, keen and noble. »Beol-sae« is a complete film.
When I am reminiscent of this experience, I´m still getting goosebumps.
The feature film debut of South Korean director Kim Bo-ra is 138 minutes long.
I am being carried through every single moment. It feels like I am floating.

Being told is the story of Eun-hee who has to find her way in 1994´s Seoul.
She doesn´t find stability in her conservative and from today´s point of view morally degenerated, abusing family or in the connection with classmates and her only friend who all don´t understand her.
Eun-hee falls in love and gets disappointed. She wanders through a passing life until she meets her new Chinese teacher Young-ji, from whom she receives attention, love and inspiration.
Young-ji has a precious heart. She treats the insecure Eun-hee in a gentle, almost elevated way.
Their interaction feels special and unique.

Beol-sae | House of Hummingbird Generation 2019 KOR 2018 von: Kim Bo-ra Kim Sae-byuk, Park Ji-hu © Epiphany Films

When I am looking into Eun-hee´s eyes I am rediscovering my own uncertainties and doubts.
In the subsequent Q&A, writer/director Kim Bo-ra intensifies the impression of a very personal but not less perfectly constructed film. The moving image is inspired by a nightmare the director experienced in which she had to go to school again. In the society in which Eun-hee is being raised everything is about performance and unification.
For me it isn´t hard to relate to that feeling of restriction.

Another central piece of Bo-ra´s complex work is the quest to find ones sexual identity.
She deals with this topic incredibly sensitive and natural and does not fall into stereotypical, bold and simple narratives. Things happen without necessarily having to be told. Kim Bo-ra understood cinema.

I can really recommend the interview with the director made by the »Teddy Award« - crew.
It mirrors my experience and again shows how greatly the head behind this piece of art has thought it through.

Here is the link.
15th of Feb. 2019, Vincent Edusei

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