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„Und was hast du in deiner Zukunft vor?“

Ein Kommentar zu Strana Sasha Mit dieser Frage endet der Spielfilm und man bleibt erst mal noch ein paar Sekunden im Saal sitzen und überlegt sich eine angemessene Antwort auf die Frage. Was genau sind eigentlich meine Pläne? Kann man darauf überhaupt eine richtige Antwort geben, denn Pläne und Vorstellungen für die Zukunft ändern sich ständig. Und ist es überhaupt so wichtig immer eine Antwort zu haben? Das fragt sich auch Sasha, der am Ende seiner Schulzeit ist. In dieser Zeit stellen alle Erwartungen an einen. Was hast du mit deinem Leben vor? Was wirst du arbeiten oder was wirst du studieren? Ab diesem Zeitpunkt gehen alle davon aus, dass man schon genau weiß, was man machen möchte. Doch wenn man das noch nicht so genau weiß, so wie Sasha, dann schauen einen die Leute verwundert an. Auch Sashas Mutter sagt ihm immer wieder, dass er doch seine Bewerbung für die Universität abschicken solle. Doch das ist Sasha gar nicht wichtig, denn er lebt lieber im Moment. Er zeichnet gern
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Humor gegen die Trauer

Eine Kritik zu Comedy Queen - (Trigger Warnung: Depressionen/Suizid) Im Radio ertönt das Lied „ Take Me Home, Country Roads “, und plötzlich überkommt Sasha all der Schmerz. Es war das Lieblingslied ihrer Mutter, die sich vor einigen Monaten nach langer Depression das Leben nahm, und vor Sashas inneren Auge spielen sich Szenen von früher ab, wo alles noch gut schien. Schnell rennt sie auf Toilette und legt sich flach auf den Boden, denn so fließen die Tränen wieder zurück ins Auge, hat Sasha rausgefunden. Und Weinen ist das Letzte was sie möchte, denn ihre Mutter weinte immer, und Sashas größtes Vorhaben ist anders zu werden als ihre Mutter - um zu überleben. Dafür erstellt Sasha eine Liste, was alles zu tun ist, um nicht so zu werden wie ihre Mutter. Ganz klar an erster Stelle: Haare abrasieren. Und nie wieder Bücher lesen, denn das tat ihre Mutter den ganzen Tag. Sich außerdem nie um ein lebendes Wesen kümmern, und am allerwichtigsten: eine Stand-Up-Comedian werden, damit Sashas

Seinen Platz finden

Ein Kommentar zu den Kurzfilmen 2 im 14Plus Programm Die Kurzfilme 2 von 14plus zeigen sechs vielfältige Filme, die sich alle mehr oder weniger mit dem Thema „seinen Platz finden“ beschäftigen. Besonders berührt haben mich davon drei Filme: Nothing to see Mit wunderbar komponierten Bildern zeigt Regisseur Nicolas Bouchez die Verlassenheit einer portugiesischen Kleinstadt. Der Filmstudent, der während eines Auslandssemester einen Film machen wollte, überlegte sich die ausgestorbenen Straßen vor seiner Haustür auf ästhetische Weise auf die Leinwand zu bringen. Und das gelingt ihm mit einer erfrischenden Leichtigkeit. Sei es wegen des Lockdowns oder wegen der Hitze im Sommer, mehr als leergefegte Straßen, Flugzeuge, die dicht über dem Himmel rauschen oder einen kleinen Jungen, der alleine vor seiner Haustür kickt, wird man in „ Nothing to see “ nicht sehen. Allerdings überzeugt der 17 minütige Film durch seine künstlerischen Einstellungen und durch ungewohnte Kameraperspektiven, sod

Weibliche Lust

Eine Kritik zu Tytöt Tytöt Tytöt - Schrill, laut, aufgedreht. Brilliant. In Tytöt Tytöt Tytöt treffen drei eigenwillige, selbstbestimmte junge Frauen aufeinander, die während des kalten, dunklen finnischen Winters versuchen, sich selbst, die Liebe, aber auch ihre sexuelle Lust besser zu verstehen. Rönkkö ist sich unsicher, ob etwas mit ihr nicht stimmt. Ihre sexuellen Begegnungen befriedigen sie nicht und sie fragt sich, wie und ob sie diese sexuelle Befriedigung überhaupt erreichen kann. Mimmi ist völlig überfordert von den Gefühlen, die sie auf einmal für die ehrgeizige Eiskunstläuferin Emma empfindet. Eine Beziehung, die sie unfassbar glücklich macht, aber auch an ihre Grenzen bringt; sie Angst verspüren lässt durch diese ungekannte Intensität der Emotionen. Emma im Gegenzug arbeitet seit Jahren hart und diszipliniert für ihren Traum, hat viel von einer “normalen” Jugend aufgegeben, um professionelle Eiskunstläuferin zu werden. Sie ist überwältigt von dieser plötzlichen Welt

Auf der Suche nach Gott

Eine Kritik zu El Reino de Dios - Ein kleiner, etwas rundlicher Junge, Neimar, treibt auf einer Weide alleine Vieh umher. Anschließend strolcht er durch die ländliche Gegend Mexikos, in der er aufwächst, und beschäftigt sich mit dem, was er in der Natur vorfindet. Manchmal spielt er auch mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft oder sie drehen gemeinsam Tik Tok Videos. Zuhause lebt er zusammen mit seiner Mutter und Oma. Neimar findet seine Freude daran, mit zu Pferderennen zu fahren, diese majestätischen Tiere zu beobachten und sich um sie zu kümmern. Insbesondere mit einer der Rennstuten fühlt er sich verbunden. © Jaqueca Films  Omnipräsent ist der christliche Glaube, der das Leben der Familie bestimmt. Vor dem Essen wird gebetet, Nachbarn aus dem Dorf kommen zu ihnen, um sich mit Hilfe des Glaubens und einer Art Segnung von ihren Problemen befreien zu lassen. Der Kommunionsunterricht Neimars ist prägender Bestandteil des Films. Die anderen Kinder und er tun wie ihnen geheißen und le

Hip-Hop für den Schulabschluss

Eine Kritik zu Allons Enfants - english version here Die Turgot Schule mitten in Paris ist keine gewöhnliche Schule. Hier bekommen die Schüler:innen neben ihrem Unterricht auch eine Hip-Hop Tanzausbildung, bereiten sich auf nationale Wettbewerbe vor und lernen sich durch den Tanz auszudrücken. „ Allons Enfants “ begleitet dokumentarisch acht Schüler:innen mit unterschiedlichsten Hintergründen, die ihren Alltag an der Schule verbringen. Die beiden Co-Regisseure Thierry Demaizière und Alban Teurlai legen in ihrer Dokumentation ein besonderes Augenmerk darauf, dass die Turgot Schule Jugendlichen aus allen sozialen Schichten die Möglichkeit gibt, ihrem Determinismus zu entkommen und einen Schulabschluss zu machen. Denn die Bedingung weiterhin die Tanzausbildung zu bekommen ist auch das Erreichen von ausreichenden Noten. In „ Allons Enfants “ sehen wir so im Wechsel Tanzszenen mit belebender Musik, Unterrichtssequenzen und Notengespräche zwischen Schüler:innen und Lehrenden, sowie Inte

"It's all me"

Ein Kommentar zu Beba - Ich glaube, dass nichts, was ich hier schreibe, auch nur ansatzweise dem gerecht werden kann, was Rebeca Huntt in Beba geleistet hat. Dennoch habe ich das Bedürfnis, meine Gedanken zu dem Film zu Papier zu bringen, und zu versuchen, zu vermitteln, was dieser Film in mir ausgelöst hat. © Sheena Matheiken  Grobkörnige Kamerabilder, Ausschnitte auf 16mm Film, künstlerische Filter und Klänge, Gedichte, Hip Hop. Eine Collage. Untermalt von Rebecas Stimme. 79 Minuten Film über ihr Leben. Acht Jahre Arbeit, um ihre Gedanken, Emotionen, einfach alles, was sie an persönlicher Entwicklung durchgemacht hat, in ein Medium zu bringen, um zu vermitteln, wie es ihr geht, wie sie mit ihrer historischen Last als Afro-Latina umgeht, wie sie ihren Platz in der Gesellschaft wahrnimmt, erkämpft. Ein wirres Dickicht aus Archivaufnahmen, Interviews und sehr gezielten Kameraeinstellungen. Ungeschönt, roh fängt sie den Umgang mit ihrer Familie ein, die Unterschiede und Konflikte

Experimentelles Selbstportrait

Eine Kritik zu Beba Beba ist das Selbstportrait von Rebeca Huntt - von ihrer Mutter titelgebend „Beba“ genannt -, einer Künstlerin, die in New York lebt und aufwuchs. Unter anderem von Familienherkunft und Erwachsenwerden erzählt Beba, ist dabei experimentell in seiner Struktur und altmodisch schick in seiner 4:3 35mm Präsentation. Als Dokumentation und/oder Essayfilm funktioniert das sehr gut, so ist Beba innovativ, interessant und informativ als Bild des Aufwachsens in einer solchen Multi-Millionen Metropole.  Das Beba in verschiedene Abschnitte eingeteilt ist, die sich jeweils mit verschiedenen Unterthemen auseinandersetzen, ist einer der - wenn nicht sogar der beste Schachzug des Filmes. So bleibt man als Zuschauer*in trotz eventuell aufkommender Langeweile - eventuell auch aufgrund der stets fadenloser wirkenden Aneinanderreihungen von Bildern, Ideen und Konzepten - dennoch dabei. Denn selbst wenn das ein thematischer Abschnitt mal keine Gefühle, Emotionen etc. auslöst, so beste

Mit Musik lässt es sich besser sagen

Eine Kritik zu Sublime Manuels Leben ist unaufgeregt. Das denkt der junge Argentinier, der in einer Band spielt, jedenfalls. Doch als er anfängt, Gefühle für seinen Freund Felipe zu entwickeln, begibt er sich auf eine Gefühlsreise, während welcher er sich Grundsatzfragen des Erwachsenwerdens - um welche es kein Drumherum zu geben scheint - stellen muss. Während bei so manch einem Film im Generationswettbewerb der letzten Jahre durchaus berechtigt die Frage aufkommt, wie sich eine solche Geschichte in die Jugendsektion der Berlinale verirrt hat - beispielsweise Jumbo im Jahre 2020, in welchem eine junge Frau eine Beziehung mit einer Attraktion in einem Themenpark eingeht (ein großartiger Film auf vielen Ebenen, doch als Jugendfilm eventuell etwas ungeeignet) - ist Sublime das genaue Gegenteil von eben diesen Indie-Dramen, von eben diesen Sehgehwohnheitsprovozierenden Geschichten, die ihren Weg irgendwie in das 14+ Programm gefunden haben. Dieser argentinische Beitrag ist eine süße, kl

Stark sein bis der Frühling kommt

Eine Kritik zu Moja Vesna - english version here „Wieso weinst du nie?“ - „Ich darf es nicht, deswegen tue ich es auch nicht.“ Nach dem plötzlichen Tod der Mutter klafft ein Loch in der Familie der zehnjährigen Moja. Während ihr Vater bemüht ist die Fürsorge seiner Töchter weiter sicherzustellen und die ältere Schwester Vesna, die hochschwanger ist, ihren Gefühlen mit Poetry Slams Ausdruck verschafft, versucht Moja auf ihre Weise die entstandene Lücke zu füllen und mit der Trauer umzugehen. Still versucht Moja die Familie zusammenzuhalten und nimmt schon fast eine Mutterrolle ein: Sie organisiert Klamotten für das bald kommende Kind, kauft Medikamente für Vesna und besorgt ein Geschenk für deren Geburtstag. Es scheint fast so, als ob die beiden Mädchen Rollen getauscht hätten - die jüngere Schwester nimmt die Verantwortung in die Hand, umsorgt ihre Schwester und erledigt sich Aufgaben, denen man in ihrem Alter nicht gewachsen sein sollte. Vesna hingegen versucht als einzige ihre