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Some Days In The Lives of the Free Generation Reporters


Freitag, 08.02.2019, 15:30 Uhr, Eröffnungszeremonie.* Anna-Lou
Langsam verstummen die mich umgebenden lebhaften Gespräche. Die Lichter des Saales erlöschen und meine Blicke richten sich erwartungsvoll auf die noch leere Leinwand. Verschwommen erscheint der Umriss eines goldenen Bären, der sich wirbelnd tausend anderen Bären anschließt. Miteinander verschmolzen nehmen sie die Form einer strahlenden sich drehenden Sonnenkugel an, die sich langsam am Horizont verliert und plötzlich explodiert. Ein Bären-Big Bang, das sich funkensprühend auf der ganzen Leinwand ausdehnt. Gebannt sehe ich zu, wie diese Funken eine glitzernde Bärengestalt formen. Die flackernde Leuchtschrift „69. Internationale Filmfestspiele Berlin“ trifft mich wie ein Schlag. Die Berlinale, ein faszinierender, bislang unerreichbarer Traum, ist im Begriff, wahr zu werden.

Dienstag, 7:52 Uhr, Friedenau. Carlotta
Puh! Ich stehe in meinem Zimmer unter meinem Hochbett und habe gerade die Shaun-das-Schaf-Weckermusik ausgemacht. Geschafft, ich bin raus aus dem Bett, habe nicht verschlafen und es ist noch genug Zeit, um einen Kaffee zu trinken und ein Frühstücksbrot zu essen, bevor es losgeht. Was steht heute an? Es ist ein voller Tag, 3 Filme, vielleicht ein Interview. Das sagt mein Kalender, in den ich alles noch schön altmodisch per Hand hineinschreibe, was mir aus irgendeinem Grund hilft wirklich zu verstehen, was ich so organisiere. Das kann ich auf meinem Handy nicht. Was ich auch nicht gut kann, ist, wenn ich unterwegs bin, auf mein Handy zu achten und im Kopf zu behalten, dass ich heute regelmäßig meine Mails checken sollte, denn vielleicht antwortet mir ja im Laufe des Tages jemand wegen des Interviews. Ich deaktiviere meinen Flugmodus und kriege Nachrichten von Menschen, die nichts mit der Berlinale zu tun haben und das ist schön, versinke ich doch so leicht immer in diesem Festival und denke, dass die Welt um mich herum sich für ein paar Tage aufhört zu drehen. Das bringt mich aber nur kurz auf den Boden der Tatsachen zurück, schon kurz danach kommt mir der Gedanke in den Sinn, doch schon beim Frühstück kurz was am Laptop zu tippen. Nach der Woche erstmal Technikdetox, aber wirklich. Ich packe den Kartoffelsalat und den Apfelstrudel, die ich gestern gekocht beziehungsweise gebacken habe, um ein wenig Ausgleich in meinem Tag zu schaffen, in Brotboxen und freue mich darauf, später leckere vegane Dinge essen zu können, ohne für Mitte übliche Preise dafür zahlen zu müssen. Um für das Gucken der ganzen Filme einen freien Kopf und ausgelasteten Körper zu haben, schwinge ich mich auf mein Fahrrad und mache mich auf den Weg zur Berlinale. Auch um mir 4 BVG- Tickets, die für den Tag nötig wären, zu sparen, ist das sehr sinnvoll. Nach 5 Minuten merke ich, dass ich meine Akkreditierung zu Hause gelassen habe und drehe um. So ganz auf der Spur bin ich nicht und der Schlafmangel macht sich bemerkbar. Wie habe ich das früher nur gemacht? Dieses Jahr habe ich neben der Berlinale weder Schule noch Abistress noch sonstwas und trotzdem muss ich mich zwingen, mich zu konzentrieren. Und doch merke ich dann, endgültig auf dem Weg gen Norden, dass ich die letzten Tage viel tiefer über gesehene Filme nachgedacht habe, mehr Artikel als letztes Mal geschrieben habe und nun ja sogar vor meinem ersten Interview stehe. Etwas verschwitzt komme ich am Potsdamer Platz an, schließe mein Fahrrad ab und freue mich über all die Menschen, die orangefarbene Berlinalebänder um den Hals tragen und sich in so vielen verschiedenen Sprachen angeregt unterhalten.

9:02 Uhr, Ticketschalter, Potsdamer Straße. Sarah
Ich verlasse das Gebäude und stecke währenddessen meine erstandenen Tickets ins Portemonnaie. Draußen laufe ich Vincent in die Arme, der auch noch Karten für den kommenden Tag braucht. Während er sich schnell am Schalter anstellt, rufe ich Mia an, da ich für eine der morgigen Vorführungen im Zoo 2 mal wieder keine Pressekarte bekommen habe. Insbesondere in diesem Jahr haben wir leider häufiger Probleme, noch Pressetickets zu erhalten, selbst wenn wir um Punkt 9 Uhr am Ticketschalter stehen. Da die Pressetickets immer nur für Vorstellungen des nächsten Tages freigeschaltet werden, müssen wir uns hier jeden Tag neu die Tickets für den kommenden Tag besorgen. Mia pflegt unseren Notfallkontakt zu Britta, die am Ticketschalter für das öffentliche Publikum arbeitet und uns im Zweifelsfall dankenswerterweise noch eine Karte besorgen kann (an dieser Stelle Shoutout to Britta). Ich schreibe schnell noch in unsere Gruppe, ob jemand anderes auch noch eine Karte braucht, damit Mia nicht fünf Mal anrufen muss. Jetzt muss ich aber los, sonst schaffe ich es nicht rechtzeitig zur 9:30 Uhr Vorführung in den Zoopalast. Und da sehe ich auch schon den 200er auf der anderen Seite der Potsdamer Straße. Ein Rüberkommen? Unmöglich! Das heißt wohl nur eins: Wie schnell schaffe ich es zur nächsten Bushaltestelle zu rennen und hilft mir der Berufsverkehr, den Bus lange genug aufzuhalten?

09:30, Zoopalast, Premiere von „Ambessa“. Klara
Ich stehe morgens auf dem roten Teppich am Zoo Palast und warte auf das erste Filmteam, das dort seine Premiere hat. Auch dieses Jahr habe ich wieder das Glück als Fotografin für die Berlinale Generation zu arbeiten und somit die Filmteams vom roten Teppich bis ins Kino zu begleiten. Während ich draußen auf dem Teppich warte, merke ich wie meine Anspannung ansteigt. „Du bist hier jetzt die einzige Fotografin und du musst das hinbekommen, das ist dein Job.“, höre ich meine Gedanken. Aber sobald das Filmteam aus dem Auto aussteigt, sehe und spüre ich deren Vorfreude und der Funke springt über. Die vier Frauen sind aufgeregt und haben eine gute Zeit auf dem roten Teppich und auf dem ganzen Weg bin in die Lounge. Es macht einfach Spaß und das funkeln in ihren Augen fange ich sofort mit der Kamera ein.

12:30 Uhr, 200er Bus. Mia
Ich sitze im Bus und lasse meine Gedanken schweifen und denke über die Filme am vergangenen Wochenende nach - „Driveways“ hat mir gefallen und auch die Kurzfilme 1 von 14Plus. Einen langen Moment starre ich aus dem Fenster und lasse Grünflächen, einige Botschaften und viele, viele Menschen an mir vorbeiziehen. Im nächsten Moment ploppt eine Nachricht von Clara auf meinem Handy auf, die feststellt, dass „2040“ nur im Zoo 2 läuft – leider, weil dieser Film so viel mehr Publikum verdient hätte. Wenige Minuten später erreiche ich den Breitscheitplatz und laufe die letzten paar 100 Meter bis zum Zoopalast, der im Berlinale-Stress meist nur auf den Namen „Zoo“ hört. Vorbei an der Kasse, durch die Eingangshalle nach links, ups, da stehen ja nur noch Akkreditierte, zum Glück habe ich ein Ticket und kann schnell an der Schlange vorbei. Im Saal angekommen suche ich die Reihen ab und entdecke kurz darauf Clara, die mittig in einer der Reihen sitzt. Wir reden und kurz darauf stößt Sarah zu uns und wir führen unsere Unterhaltung zu dritt fort. 10 Minuten später ist der Saal ruhig, obwohl, leider nicht ganz. Ein Knistern ertönt im Sessel neben Sarah, auf dem ein Junge genüsslich eine Hand voll Popcorn von der überdimensionierten Plastiktüte zum Mund führt. Auch das kann Berlinale sein, Kinobesucher die die ungeschriebenen Berlinale-Regeln (noch) nicht kennen. Und zu denen zählt „Kein dauerhaftes Knistern oder Rascheln während der Filme!“. Ein wenig leiser wird es zwar, aber immer wieder reißt das Knistern eine von uns dreien aus dem Bann, in den uns Damon Gameaus Film zieht. „2040“ trifft mich und macht mir klar wie viel wir alle noch tun müssen, um diese Welt nicht weiterhin zu zerstören. Am Ende des Films sind wir berührt und ich bin erneut wahnsinnig froh, dass wir zusammen Filme schauen und uns jederzeit darüber austauschen können. Mit wem sollte ich ansonsten an diesem Mittag, noch im Kinosaal, meine Gedanken teilen…
Selbst die kleinsten Dinge können etwas bewegen – fangen wir bei den Popcorntüten an!

Di Yi Ci De Li Be

For English Version

Ich werde rein geschmissen in die Welt der drei Charaktere, die mir ihre Welt in einem uigurischen Dorf zeigen. Uiguren. Menschen lebend in der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas, die eine schwierige Vergangenheit hinter sich haben und deren politische Lage noch immer unruhig ist. Sie ist geprägt von Unterdrückung durch China, vor allem von dort lebenden Muslimen, bestehenden „Umerziehungslagern“ mit mehr als einer Million Uigurern die dort willkürlich festgehalten werden (Angabe eines UN-Menschenrechtgremiums), teilweise schweren Kämpfen und Terroranschlägen.
Und doch ist die Welt, die in Di Yi Ci De Li Be gezeigt wird eine ganz andere, ich kriege kaum ein Gesamtbild von der politischen Situation gezeigt, sondern sehe das Leben dort durch die Augen der Kinder. Diese sind leider auch mit jeder Menge schwerer Thematik und Verantwortung konfrontiert und doch spielen Dinge in ihrem Leben eine Rolle, die uns allen bekannt sind. Es geht um Freundschaft, Herumstreunen, Spielen, die Liebe zum kleinen Ziegenkitz, und vor allem, um die Liebe zur Familie. Ich fühle mich verbunden zu den Charakteren, was auch dadurch kommen mag, dass die Kinder sehr echt spielen. Teilweise schon zu gut können sie auch Trauer und Schmerz darstellen, das tut weh zu sehen. Es ist eine ruhige Welt und durch fast statische Bilder, sehe ich viel von der Landschaft und vom Alltag der Dorfbewohner. Wir sehen sie beim verdienen des Lebensunterhalts, der Baumwollernte, beim Tiere versorgen, sie schlachten und opfern, beim Maiskörner trennen, beim Kochen und Essen. Die Kinder lieben das Leben auf dem Land, es ist ihre Heimat, dort ist die Familie. Und doch gibt es kaum Arbeit und gute Schulen, die meisten sprechen kein chinesisch und werden deswegen diskriminiert oder finden sich im Leben außerhalb der Dorfgemeinschaft nicht zurecht.
Der Film ist ein spannendes Portrait bei dem die Kinder der Geschichte sehr ernst genommen werden. Nur leider bekomme ich das Gefühl, dass das bei den Zuschauer nicht ganz der Fall ist . So gibt es super kitschige, unauthentische, zu offensichtliche Dialoge, die jede Situation genauestens erklären, die doch eigentlich so selbsterklärend ist und zudem den Film dabei leider viel zu lang werden lassen. Es ist schade, dass nicht auf die Wirkung der Bilder und die Stärke der Charaktere vertraut wird. Denn allein diese schaffen es allemal, mich zu berühren!!

24/02/19, Carlotta Saumweber



A First Farewell


I get thrown into the world of the three main characters, that show me their life in an Uyghurian village. Uyghurs. People living in the region of Xinjiang in the north-west of China, that have a quite difficult past and still unstable political situation. It is shaped by the oppression through China, affecting mostly muslims. The existing of “readucation camps”, where more than a million of people are under arbitrary arrest (declaration of an UN-human-rights-council) are still a reality, as well as conflicts and terrorist attacks.
But the world that is shown in Di Ci De Li Be is quite a differing one, since I do not really get an overview over the situation, but see the world there through the kids' eyes. Sadly, they are also confronted with a lot of heavy decisions and quite the responsibility, but at the same time, things we all know play a great part as well. The movie is about friendships, prowling around, playing games, the love for the small goat kid and, mostly, about love for your family. I feel connected with the characters, what might be enhanced by the child actors, that act so well! Sometimes it even hurt, how well they could portray pain and sorrow. The world they are in is a very calm one and through almost static pictures I see a lot of the landscape and everyday life of the villagers. We see them making a living by picking cotton, taking care of their animals, even butchering and sacrificing them, we see them separating corn, cooking, eating. The kids love their life on the countryside, it is their home, it is where their family is. On the other hand though, almost no proper work and good education is available, most Uyghurs do not speak Chinese and get discriminated for it or can't find their way outside of the village community.
The movie is a wonderful portrait where the children are taken seriously. Unfortunately though, I can not say the same about the audience. Throughout the whole movie there are kind of corny, inauthentic dialogues, explaining every detail of every situation, even though it would not be needed, thereby making the movie way too long. It is sad, that the filmmakers didn't trust in impact of the pictures and the strength of the characters. Because they could have!!

24th February 19, Carlotta Saumweber

Über nackte Körper und bunte Perlen

Liv
For English Version

Dieses Jahr zeigte Generation 14+ im Rahmen einer Cross-Section eine Auswahl an Kurzfilmen der Sektion „Berlinale shorts“. Unter dem Titel „And you make the world what you really want it to be: Love“ hat die Kurzfilm Sektion der Berlinale fünf Filme aus ihren Programm ausgewählt, die nun einem jungen Publikum präsentiert werden. Zwei Filme dieses Programmes sind besonders sehenswert!

Nackte Körper

Der spanische Kurzfilm „Suc de Síndria“ von Irene Moray behandelt ein intimes Thema auf eine wunderschön ehrliche Weise. Wir sehen ein junges Paar beim Sex. Die Augen der jungen Frau leuchten, doch sie kommt nicht zum sexuellen Höhepunkt. Liebevoll wollen die beiden sich gegenseitig befriedigen, aber für Barbara bleibt der Orgasmus aus. Der Grund dafür: sie wurde vor einigen Jahren vergewaltigt. Ehrlich und unaufdringlich behandelt der Film ein wichtiges Thema, über das in unserer angeblich „aufgeklärten“ Gesellschaft gerne geschwiegen wird: sexuelle Befriedigung der Frau ist nicht immer leicht, besonders wenn sie in der Vergangenheit schlecht behandelt wurde. Die Kamera scheut sich nicht die nackte Haut der jungen Menschen zu zeigen, tut dies aber sehr respektvoll. Es ist was es ist: nackte Haut – nicht mehr und nicht weniger. Es ist unglaublich bereichernd das Thema sexuelle Befriedigung auf eine so ehrliche Art und Weise auf der Kinoleinwand zu sehen. Ich finde es gerade gut, dass dieser Film einem jungen Publikum gezeigt wird! Gewalt, Blut und Hass sehen Kinde und Jugendliche schon im frühen Alter auf der Kinoleinwand. Sobald aber ein nackter Körper zu sehen ist schreien alle laut auf. Warum eigentlich? Was ist schlimm daran nackt zu sein? Filme wie „Suc de Síndria“ können jungen Menschen ein ehrliches Bild davon vermittelt was Sex ist: etwas, dass nicht funktioniert wie im Porno, sonder etwas, dass wunderschön ist, wenn man sich vertraut. Zurecht ernennt die Berlinale Shorts-Jury „Suc de Síndria“ zum Kandidaten für die European Film Awards 2019.



An interview with the team of "The Body Remembers When the World Broke Open"

Mia
After one of the screenings of "The Body Remembers When the World Broke Open" I had the chance to sit down with actress Violet Nelson and directors Elle-Máijá Tailfeathers and Kathleen Hepburn and talk about their movie, which is addressing a very important topic.

fGR: How did you come up with the idea for the movie?
EMT: So the film is inspired by an experience that I had and this experience was very similar to what happened in the film. We fictionalized a lot of it in the film but the experience is very similar to what you see in the film. I mean that encounter with this young woman forever changed me and I still think about her often. So anyway, I wanted to do something with the story and decided that I wanted to turn it into a film shot in real time so the audience would just sit with these two women for that amount of time. Having done mostly documentary and a lot of narrative but wanting to turn this into a feature film, I felt that it would be necessary to collaborate with another director. Kathleen has been a friend for years and I really admire her work. I think she just has a profound respect for Indigenous people. Tyler, one of our producers, is Métis-Canadian and also Kathleen’s partner and so Kathleen has an understanding of issues effecting Indigenous people. And I enjoy co-directing and I enjoy collaborating and I feel like women can achieve great things when they work together. And so I reached out to Kathleen and Tyler and pitched the idea of doing this film together and they immediately said yes, and that was just over two years ago and here we are.

fGR: How long did it take you to really write the script and also to shoot the film?
EMT: Kathleen and I co-wrote and co-directed so it was very equal division of that labour. How long did it take us to write the script?
KH: It was very fast, I think it was probably about 9 months to get to the shooting draft I would say. And we had started applying for funding in the meantime, so it all happened very quickly. We shot last spring. We shot the film in eight days which is very fast as well. Because of the nature of the way we were filming…

fGR: So you already talked in the Q&A a bit more about how you shot the film. Could you tell me a bit more about it for the readers?
KH: Sure. So as Máijá (director Elle-Máijá Tailfeathers) said, we wanted to make a film in real time, which for us allowed the actors to have a more theatrical experience, a greater more in-depth process for them especially for Violet who played Rosie because it was her first acting role. So we really wanted to give her that emotional experience, so we wanted to shoot the film in one take. But because we also wanted to shoot on 16 mm that made it virtually, impossible, well not virtually literally impossible, because we only had 11 minute reels. So our cinematographer came up with this approach of real time transitioning, where we had 13 predefined stitch points so the actors could continue the performance and he would switch cameras at a specified stitch point and do a transition at that point. So it sort of continues for the actors with 13 cuts for the camera.

An Interview with Sam de Jong (director of "Goldie")

Mia
During the Berlinale I met Sam de Jong, director of Goldie, at the Marriott hotel and sat down with him to talk about his film, future projects and if there ever was a "Plan B" for him?

fGR: How did you meet Slick Woods?
SdJ: So Slick was introduced to me by the casting directors, cause I like to meet people and actors early on in the writing stage of the project. They set up a meeting with her, cause they felt that what I was working on had a lot of mutual ground with who she was and her life story. And then I met her and she really liked my previous work and the project and shared her journey with me and we managed to incorporate that in the movie. After that I wrote a few more drafts of the screenplay - knowing Slick would be Goldie.

fGR: So it was like a mixture of you having this idea and then combining this with her experiences?
SdJ: Yeah, exactly.

fGR: Okay! And do you know if she will be acting in another movie?
SdJ: I think she wants to, but she said like “I want to play a bus driver or something different…”, because I think she was processing a lot while filming and that was pretty impactful.

fGR: Did you intended to use these aggressive scenes within the family as a stylistic device or were they only to show what really happens in the family?
SdJ: I think it was mainly to show the two modes in her life, because I think it’s important that you understand that dreams about her career are perceived as a way out of a situation that is not pleasing to the family as a whole.

fGR: And which message would you like to send to the (American) audience? Is there anything you have on your mind?
SdJ: I think what Slick and I were talking about is that although in real life she found salvation in pop culture it is not accessible to everyone. Although the idea in the US and in the West is that there is this equality of opportunity for people and I think that clearly isn’t if you’re young and you have to deal with such issues… I think the movie shows the obstacles and difficulties of pursuing you’re dreams in a society that’s not completely equal to everyone.

Flucht aus der Wirklichkeit

Clara
eine Kritik zu „The Magic Life of V
For English Version

„The Magic Life of V“ begleitet Veera mehrere Jahre lang auf dokumentarische Form in ihrem Leben. Während man in den ersten Minuten nur verwirrt dem Geschehen auf der Leinwand folgt, in dem Veera an einem Real-Life Rollenspiel teilnimmt, versucht Demonen zu vetreiben, durch steinige Burgkorridore streift und Zauberformeln murmelt, erschließen sich dem Zuschauer im Laufe des Filmes immer mehr Hintergründe und Handlungsstränge. Ihre durch einen alkoholkranken und gewalttätigen Vater, den sie seit 15 Jahren nicht gesehen hat, ziemlich schwere Kindheit, oder die innige Beziehung zu ihrem Bruder, dessen geistige Entwicklung durch hohes Fieber in seiner früher Kindheit verlangsamt wurde. Man bekommt Einblick in die Gefühle von Veera und ihre Versuche, ihre Vergangenheit zu verarbeiten.

Auch wenn das Thema des Filmes spannend und interessant ist, tut sich „The magic life of V“ schwer damit das Publikum einzufangen. Durch Sprünge in Zeit und Ort entsteht für den Zuschauer nur schwer ein roter Faden. Man sieht Veera zu Hause in Finnland, mal zusammen mit ihrem Bruder lebend, dann alleine; zwischendurch immer wieder bei Rollenspielen. Diese Sprünge, die für mich nur schwer einzuordnen sind, wirken verwirrend und haben zum Effekt, dass die Emotionalität des Filmes nur wenig durchdringt. Auch wenn Veera im Filmgeschehen viele wichtige Schritte geht, um ihre Vergangenheit zu verarbeiten, ist „The magic Life of V“ doch etwas eintönig und wirkt dadurch karg.

Interview with Xue Bai, director of
»Guo Chun Tian« (»The Crossing«)

Vincent & Sarah
Last Thursday, Sarah and I had the chance to meet Xue Bai, director and screenwriter of this year's Generation 14plus contribution »Guo Chun Tian« (»The Crossing«) in her apartment.

Freie Generation Reporter: Miss Bai, you grew up in the border city Shenzhen. How did you experience the divide of China and Hongkong when you were a child? How did this maybe change over time?
Xue Bai: Good question. Actually, I was six years old when we moved to Shenzhen. The city is very close to Hongkong. There is just one river in between. We speak the same language, we eat the same food, we drink the same water. As a child, I listened music, watched movies and saw TV programs from Hongkong. So, for me there has always been a deeper connection instead of a divide.
In 1997, Hongkong became a special administrative region of China. At that time I was 13 years old. The Chinese army came from Shenzhen to Hongkong to do that ceremony. We as students would be sitting on the roads to attend the ceremony. That was a very special moment for me.

How did you experience the societal differences between Hongkong and Shenzhen? Hongkong will officially completely be a part of China again in a couple of decades. How did you experience those political tensions?
Xue Bai: I think that the ideology and the cultural as well as the political background is very different between the two cities. But because all of us are speaking Cantonese, we still got some kind of connection with each other.
Hongkong used to be very powerful in economy and is kind of the financial center in Asia but in recent years the economical power of China is growing, so the difference actually changed in these years. Peoples' feelings are changing as well. For example, when Chinese people went to Hongkong years ago they ate noodle soups that would be very expensive but today it's just a noodle soup (laughs).

FGR: Why is it so lucrative to smuggle iPhones from Hongkong to China?

Eine Challenge für die Sehgewohnheiten

Eine Kritik zu "The Body Remembers When The World Broke Open"
For English Version

Áila verkörpert alles, was Rosie nicht ist: Zwar wird sie auch als indigen bezeichnet, jedoch ist sie schlank, privilegiert, wohnt in einem schönen Apartment und kann bestimmen, ob sie ein Kind bekommen möchte. Rosie indes, aus einem indigenen Volk Kanadas stammend, von ihrem Freund unterdrückt und misshandelt, verfügt über keinerlei Mittel, alleine zurecht zu kommen. Noch dazu ist sie hochschwanger. In „The Body Remembers When The World Broke Open“ kommt es zu einer Begegnung der besonderen Art zwischen diesen beiden Charakteren.
Als Áila Rosie auf der Straße entdeckt, barfuß, vollkommen verlassen und überfordert im Regen stehend, den Freund auf der anderen Seite der Straße wütend brüllend, nimmt Áila sie kurzerhand bei sich zuhause auf. Angelehnt an ein One-Cut-Format entfaltet sich der Film an einem Nachmittag auf authentische Weise und läuft dabei fast in Echtzeit ab. Die Unsicherheit und Ratlosigkeit auf Seiten Áilas, wie sie nun mit der Situation umgehen soll, werden zu Beginn präzise eingefangen, wodurch sich die ZuschauerInnen mit ihr identifizieren können. Gleichzeitig erfolgt die Charakterisierung Rosies, die äußerst antipathisch dargestellt wird. Den Umständen entsprechend wirkt sie ungebildet, ungepflegt und unansehnlich, redet nicht und versucht auch nicht, Áila auf irgendeine Art zu unterstützen, klaut ihr im Gegenteil bei erstbester Gelegenheit das Portemonnaie. Es fällt schwer, mit so einer Person umzugehen, mit der man sich in keinster Weise identifizieren kann, die noch dazu keinerlei westlichen Schönheitsidealen entspricht. Jedoch ist es genau dies, was den Film so realistisch und besonders macht.
Der weitere Verlauf des Films zeigt Möglichkeiten für Rosie auf, wie sie ihrer aktuellen Situation entfliehen kann. Dabei wird vermittelt, wie Frauenhäuser versuchen Mädchen oder Frauen in ähnlichen Positionen wie Rosie zu helfen, sie dabei jedoch unter keinerlei Druck setzen möchten, sondern die Vorteile aufzeigen, sie jedoch auch gehen lassen, falls sie sich entscheidet, in ihr gewalttätiges Umfeld zurückzukehren. Es ist frustrierend und ernüchternd, ihre Lage mitanzusehen. Auch wenn man die Antipathie nicht ganz ablegen kann, so lernt man mit der Zeit jedoch, Mitgefühl für sie zu entwickeln, wenn sie davon erzählt, wie der Freund sie so sehr schlägt, dass sie sich nicht mehr die Haare kämmen kann, da sie die Schmerzen nicht ertragen würde. Im anschließenden Publikumsgespräch verweisen die zwei Regisseurinnen auf den hohen Anteil der häuslichen Gewalt insbesondere bei indigenen Frauen und das noch höhere Risiko, das sie sich aussetzen würden, wenn sie ihren Partner verlassen würden. All dies macht auf die Ungerechtigkeit der Welt sowie die Misshandlung und Unterdrückung von Frauen, insbesondere nicht weißen Frauen, aufmerksam.
In dem Film hat die Co-Regisseurin Elle-Máijá Tailfeathers eine persönliche Begegnung verarbeitet, spielt Áila sogar selbst. Alles wirkt äußerst authentisch, insbesondere das One-Cut-Format zeigt deutlich die Bedeutung dieses einen Nachmittags für sie. Und auch das Publikum wird nachdenklich gestimmt ob dieser Ungerechtigkeit und Aussichtslosigkeit der Situation. Der Film zeigt auf, dass man nicht immer helfen oder die Entscheidungen für jemand anderen treffen kann und gerade in solchen Gegebenheiten der Entschluss von der Leidtragenden letztendlich selbst kommen muss.
Ein Film, der mich sehr berührt hat, mich zwang, über die Antipathie hinwegzukommen, und mich mit einer Aussichtslosigkeit und Hoffnungslosigkeit konfrontierte, die schwer zu ertragen ist. Äußerst sehenswert!

Sonntag, 17. Februar 2019, Sarah Gosten


»When will my life start to shine?« – Kritik zu »Beol-sae«

Vincent
For English Version

Atmosphärisch und ergreifend, fein und edel. »Beol-sae« ist ein vollkommener Film.
Wenn ich mich an dieses Seheerlebnis zurückerinnere, bekomme ich immer noch Gänsehaut.
138 Minuten lang ist das Langfilmdebüt der südkoreanischen Regisseurin Kim Bo-ra.
Ich werde durch jeden Moment getragen. Es fühlt sich an, als würde ich schweben.

Uns wird die Geschichte von Eun-hee erzählt, die sich im Seoul des Jahres 1994 zurechtfinden muss. Sie findet keinen Halt in der konservativen und aus heutiger Sicht moralisch verwahrlosten, missbrauchenden Familie oder bei den sie nicht verstehenden Schulkameraden und ihrer einzigen Freundin.
Eun-hee verliebt sich und wird enttäuscht. Sie wandelt durch das an ihr vorbeigehende Leben bis sie auf ihre neue Chinesischlehrerin Young-ji trifft, von der sie Aufmerksamkeit und Liebe bekommt und Inspiration findet. Young-ji hat eine noble Seele. Sie geht ganz sachte und fein, fast schon erhaben mit der verunsicherten Eunhee um. Die Interaktion der Beiden fühlt sich ganz besonders und einzigartig an.

Beol-sae | House of Hummingbird Generation 2019 KOR 2018 von: Kim Bo-ra Kim Sae-byuk, Park Ji-hu © Epiphany Films

Wenn ich Eun-hee in die Augen blicke, finde ich meine eigenen Unsicherheiten und Zweifel wieder. Im anschließenden Q&A verstärkt mir die Regisseurin und Drehbuchautorin Kim Bo-ra den Eindruck eines sehr persönlichen, aber nicht weniger perfekt inszenierten Filmes. Inspiriert wurde das autobiographische Bewegtbild von einem Albtraum der Regisseurin, in dem sie wieder zur Schule gehen musste.
In der Gesellschaft, in der Eun-hee groß wird, geht es nur um Leistung und Vereinheitlichung. Es fällt mir nicht schwer, ihr Gefühl der Einengung zu teilen.
Ein weiterer zentraler Bestandteil Bo-ras komplexen Werkes ist das Finden der eigenen sexuellen Identität. Sie geht mit diesem Thema ganz sensibel und natürlich um und verfällt zu keinem Zeitpunkt in stereotypisiertes, plakatives Erzählen. Dinge passieren, ohne dass sie zwangsweise benannt werden müssen. Kim Bo-ra hat Kino verstanden.

Ich kann das Interview der Regisseurin mit dem »Teddy Award« - Team sehr empfehlen. Es spiegelt meine Seherfahrung wider und zeigt abermals, wie überaus durchdacht der Kopf hinter diesem großartigen Film ist.
Hier ist der Link.

15.02.2019, Vincent Edusei

Die rechte Szene auf der Berlinale Leinwand

Liv
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Synthetische Popmusik dröhnt in den Saal des Haus der Kulturen der Welt. Auf der Leinwand eine Gruppe von Mädchen, die tanzt und sich schminkt, dann „die coolen Jungs“, die über Motorräder reden und sich prügeln. Kiira und Lenni sind der Schnittpunkt der beiden Cliquen. Sie sind 15, ein Paar – und in 9 Monaten werden sie Eltern. Während die Geburt des Kindes immer näher rückt, spitzt die Situation sich zu. Konflikte entstehen. Kiiras naive Leichtigkeit verblasst. Sie erkennt die Probleme, die auf sie zukommen werden. Lenni ist mit der Situation überfordert und sucht Halt. Er findet sie in der rechtsextremen Gruppe der Nachbarschaft. So versucht der finnische Gewinnerfilm des gläsernen Bären 2019 „Hölmö Nuori Sydän“ (Stupid young heart) die Themen Teenagerschwangerschaft und wachsender Rechtsextremismus zu verbinden.




Zunächst bin ich etwas abgeschreckt von den Bildern auf der Leinwand. Die Charaktere wirken stereotypisch und flach. Ein Mädchen, dass sich stark schminkt, sexy tanzt und mit ihren Freundinnen über Instagram und Twitter redet. Die Jungs machen nur was mit Jungs. Die Mädchen nur mit Mädchen. An einigen Stellen fällt mir sogar ein Wechsel zwischen rosa und blauen Farbtönen auf, als das Bild von Kiira zu Lenni wechselt. Die poppige, synthetische Musik gefällt mir überhaupt nicht, aber sie spiegelt das Leben und die Art der beiden Teenager wieder. Aus diesem Grund freunde ich mich im Laufe des Filmes, gegen meinen persönlichen Musikgeschmack, mit dem Sound an – und dann überrascht mich „Hölmö Nuori Sydän“ mit einem dynamischen Wechsel. Je näher die Geburt des gemeinsamen Kindes rückt, desto mehr gewinnt der Film an Handlung und die Charaktere an Tiefe. Die anfänglich naive, oberflächliche Stimmung verfliegt. Gegen Ende springen die Szenen zwischen parallelen Handlungssträngen. Dadurch entsteht eine Dynamik und Spannung, die im Kontrast zum ersten Teil des Filmes steht. Die Ereignisse werden ernster, die Konflikte größer. Nun zeigt sich auch das Talent der jungen Schauspieler. So beeindruckt mich die Leistung der beiden jungen Menschen gegen Ende des Filmes. „Hölmö Nuori Sydän“ schafft es mich nach anfänglicher Skepsis zu fesseln und meine Kritik etwas zu relativieren.