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Im Auge des Betrachters

Unser Resümee der 68. Berlinale

Clara Bahrs

Nun ist die Berlinale 2018 auch schon vorbei, ich bin zurück im verschneiten Trondheim und kann auf diese fantastischen zehn letzten Tage zurückblicken. Es war für mich eine der besten, wenn nicht sogar die Beste Berlinale seit langem, was nicht nur an ganz fantastischen, berührenden und inspirierenden Filmen lag, sondern vor allem auch an den ganzen Einblicken, die ich durch nähere Beschäftigung mit den Themen und Interviews mit Filmteams bekommen durfte. Und endlich mal zehn Tage frei für die Berlinale und den Tag um 09:30 Uhr im ZOO-Palast zu starten, was könnte es besseres geben? Die Berlinale 2019 kann auf jeden Fall kommen!

Johanna Gosten

Die 68. Berlinale ist vorüber und damit auch mein bisher liebstes Festival. Von der Filmauswahl über die Interviews bishin zu unserer schönen Gruppenzusammenstellung hat einfach alles perfekt für mich gepasst. Selbst die Entscheidung der Kinderjury entsprach meinen Wünschen - Supa Modo und Les Rois Mongols waren eindeutig meine Favoriten. Nach 26 Lang- und 29 Kurzfilmvorführungen heißt es nun für mich, mit der diesjährigen Berlinale abzuschließen, meine Akkreditierung und Programm im Schrank zu verstauen und freudig auf das nächste Jahr zu warten.

Klara Hirseland

Dieses Jahr konnte ich einen etwas anderen Einblick in die Berlinale bekommen. Zwar war ich wieder hinter der Kamera um die Berlinale Generation zu dokumentieren, aber dieses Mal nicht nur für unseren Blog sondern auch für die Sektion als Mitarbeiter. Es war eine tolle Erfahrung und große Motivation, auch wenn es noch stressiger war als sonst schon. Die Filmteams noch näher zu erleben und mitzubekommen wie sehr sie sich freuen, aber auch wie aufgeregt sie sind ist eine Ehre.
Für mich war die 68. Berlinale etwas anders, aber genau so magisch.

Liv Thastum

Diese Berlinale war wie immer eine bewegende, inspirierende und unverwechselbare Zeit.Von der Kinoleinwand in fremde Welten entführt zu werden, mit Filmemachern und Schauspielern angeregte Gespräche zu führen und die unverwechselbare Berlinale-Stimmung aufzusaugen – das macht das Filmfestival für mich aus! Meine Highlights: die vielen tollen Interviews, die ich führen durfte, Filme wie „Cobain“ und „Hendi va Hormoz“ und die schöne Zeit, die ich mit meinen Kollegen geteilt habe – denn nach all den Jahren hab ich sie sehr lieb gewonnen!

Mia

Ich konnte die diesjährige Berlinale leider nicht so sehr auskosten, dennoch war sie wieder ein absolutes Highlight!
Die Filme entführten mich in andere Welten und auch die Q&A's und die Gespräche mit den Filmemachern waren mehr als interessant.
Mein Dank gilt euch, denen die unsere Berlinale jedes Jahr verfolgen, dem Berlinale-Team (allen voran Timo) und last but not least dem fGR-Team! Wir sind so ein super kleines Team, eine kleine Berlinalefamilie und unsere "neuen", festen Teammitglieder passen super zu uns!
Also, bis zur nächsten Berlinale! ;)

Moritz Palma

Dieses Jahr haben mich leider nur wenige Filme des Generation-Programm der Berlinale überzeugt. Die Entscheidung über den besten 14plus Film der Jugendjury "Fortuna" konnte ich absolut nicht nachvollziehen. Filme wie "Cobain" oder "Les faux tatouages" waren wesentlich überzeugender und hätten meiner Meinung nach viel eher gewinnen sollen.
Jedoch waren die zehn Tage mit den anderen wunderbaren Reportern, wie immer, eine schöne und aufregende Reise in meist interessante Welten. Ich freue mich auf nächstes Jahr! :)

Sarah Gosten

Mit dem vorletzten Sonntag ist für mich mal wieder eine der wertvollsten Wochen des Jahres zu Ende gegangen. 9 Tage und 25 Vorstellungen später fühle ich mich auch durch die diesjährige Berlinale wieder unglaublich bereichert. Ob durch Ungerechtigkeit auf Grund von Korruption, grundlegende Lebensfragen im Versuch, sich selbst zu finden oder die Trennung von Geschwisterkindern in unruhigen Zeiten, hat mich diese Woche zutiefst berührt, erschüttert, aber auch mit Hoffnung zurückgelassen. Vor allem Supa Modo, Cobain, Dressage, Unicornio und Les rois Mongols werden noch lange in meinen Gedanken herumschwirren.

Vivien Krüger

Die diesjährige Berlinale war für mich mal wieder wie eine bunte Wundertüte. Es waren befremdliche, humorvolle, verwirrende und emotionsgeladene Filme dabei, die mich alle auf ihre eigene Art und Weise in ihren Bann gezogen haben. Neben dem poetischen Kurzfilm Playa war das Interview mit den beiden Hauptdarstellern von Les Faux Tatouages ein absolutes Highlight.

"Bei zu viel Kaffee gibt es dann kein Halten mehr"

Im letzten Jahr mussten wir miterleben, was es hieß, an Dagnys Stelle eine andere Pressekoordinatorin zu haben, mit der wir uns erst einmal arrangieren müssen. Als also klar wurde, dass es dieses Mal schon wieder einen Neuen in der Runde gibt, waren wir zugleich hoffnungsvoll, dass es besser werden würde als im Vorjahr, zum anderen aber auch vorsichtig skeptisch.
Doch schon bei den Vorbereitungen und ersten Absprachen mit Timo Weißberg merkten wir, dass wir uns keine Sorgen hätten machen müssen.
Nach einer Hetzjagd aus dem HKW zum Potsdamer Platz haben wir ihn in einer ruhigen Minute im Hyatt ein bisschen über seinen Job ausgefragt.

fGR: Puh, wir sind noch ganz außer Atem. Dabei haben wir uns fast schon gedacht, dass du hier gerade ganz entspannt bist und unser leichtes Zuspätkommen gar nicht so schlimm findest.
Timo: Das stimmt, jetzt gerade ist es recht entspannt. Ab morgen zieht es dann wieder an mit den Preisverleihungen, aber momentan geht es noch.

fGR: Erzähl mal, wie bist du überhaupt zu Generation gekommen? Hast du schon einmal bei der Berlinale gearbeitet oder ist das eine komplett neue Erfahrung für dich?
Timo: Ich komme aus Berlin und bin quasi mit Generation aufgewachsen, als es noch Kinderfilmfest hieß. Das war sozusagen meine Kinosozialisation. Ich hab dann hier in Berlin Philosophie und Geisteswissenschaften studiert. Nach dem Master hab ich auch schon im Gropius-Bau gearbeitet, also unter der Fittiche der KBB sozusagen, die ja auch die Berlinale trägt. Im Anschluss bin ich erstmal nach Frankfurt gegangen, um ein Pressevolontariat an der Kunsthalle Schirn anzutreten. Das ging etwa zwei Jahre, war also meine nachuniversitäre Ausbildung. Dann habe ich zehn Monate für die Documenta 14 in Kassel und Athen gearbeitet und mit einer Kollegin die deutsche Presse verantwortet. Zwar nicht im Filmkontext, der ist hier jetzt für mich neu, aber die Grundlagen der Pressearbeit sind ja überall ähnlich, deswegen hat sich das ganz gut ergeben. Ich habe mich dann ganz regulär auf diese Stelle beworben und nach einem tollen Vorstellungsgespräch wurde recht schnell klar, dass das hier eine tolle Sache wird.
Zwischen Documenta und Berlinale hatte ich einen Monat frei, das war als Pause auch mal nötig. Das war wirklich Wahnsinnsarbeit.

fGR: Und wie geht die Vorbereitung auf die Berlinale los?
Timo: Ich habe mich tatsächlich erst einmal mit meiner Vorgängerin auseinandergesetzt. Also mit der, die das hier länger gemacht hat.

fGR: Mit Dagny?

Timo: Genau, wollte ich gerade sagen, die dürftet ihr ja kennen. Dann habe ich mich noch mit anderen Pressekoordinatoren aus anderen Sektionen getroffen, die das Ganze schon länger machen und mir sagen konnten, an wen man sich für was wenden muss. Die Berlinale ist schließlich ein großer Apparat mit vielen Leuten, da ist die Arbeitsteilung schon sehr kleinteilig.
Das war im Dezember. Kurz vor Weihnachten haben wir die ersten Pressemitteilungen rausgegeben. Ich habe also im Dezember noch relativ viele Filme geguckt, das war auf jeden Fall schonmal ein sehr schöner Teil. Teilweise lagen die kleinen Texte dazu schon vor, teilweise musste ich die dann dazu schreiben.

fGR: Ach, also bist du dafür verantwortlich!
Timo: (lacht) ja, das bin ich wohl. Das war natürlich im Austausch mit unserem Programmbüro, die uns immer wieder Hinweise gegeben haben. Auch was den Stil angeht, der in bestimmten Sektionen der Berlinale gepflegt wird.
Im Januar ging es mit der Vorbereitung der zweiten Pressemeldung los. Da fragen die ersten Journalisten dann auch schon nach online Sichtungsmöglichkeiten, um sich auf das Programm vorzubereiten. Es müssen viele Listen erstellt werden - davon kann meine Praktikantin auch ein Lied singen. Ihr habt ja zum Beispiel auch von mir die Liste mit den Presseagenten bekommen. Das ist noch so eine Sache. Man sammelt die letzten Materialien der Filmteams ein, Filmausschnitte für TV-Beiträge etc.. Außerdem gilt die Empfehlung an jedes Filmteam, sich für größtmögliche Aufmerksamkeit einen Presseagenten zuzulegen. Wir können ja nicht jeden Film selbst promoten. Das machen die meisten inzwischen auch.
Darauf folgen die ersten Anfragen, wann die Filmteams in der Stadt sein werden, und wir sprechen uns gut mit dem Guest Management ab. Man kommuniziert viel mit den bereits feststehenden Presseagenten. Dann muss man hier und da noch ein wenig Druck machen. Das gehört auch dazu, schließlich sind viele Filme kurz vorher noch in der Postproduktion. Bei Supa Modo waren die beispielsweise noch eine Woche vorher in der Farbkorrektur. Das ist natürlich sehr auf Kante genäht, aber bei so vielen Weltpremieren ist das ja vorprogrammiert. Die Zusammenarbeit funktioniert aber super und alle helfen sich gegenseitig. Da wird dann immer ein bisschen nachgebohrt bei denjenigen, die nicht ganz pünktlich sind, und dann klappt das auch.

fGR: Und wo treibst du dich während der Berlinale herum? Kommst du viel zum Filmegucken oder bist du eher weiterhin mit der Kommunikation mit den Filmteams beschäftigt?
Timo: Wir sind definitiv viel mit den Filmteams beschäftigt. Eigentlich haben wir ja in der Glasspitze unsere Büros, da habe auch ich noch von Dezember bis letzten Dienstag gesessen. Jetzt sitzen wir hier im Pressezentrum im Hyatt, da kommen auch viele Journalisten, Filmemacher, PR-Agenten direkt zu uns und man kann Sachen face-to-face klären. Dann machen wir manchmal sogenannte Protokoll-Meetings, in denen wir klären, wie wir die Premiere bestmöglich gestalten, auch was das Aufstellen für gute Fotos angeht. Außerdem werden nach den Q&As die Interviews eingetaktet. Da sind dann auch immer unsere Kinobetreuer dabei. Mit denen gucken wir auch, wer aus dem Filmteam überhaupt letztendlich in der Stadt ist, da kommt es auch immer noch spontan zu Absagen, falls beispielsweise etwas terminlich oder mit einem Visum nicht geklappt hat. Die ist unser Guest Management immer gut beschäftigt, auch mit den Botschaften.
Ach, und zu der Frage, wo ich mich so herumtreibe. Hier am Potsdamer Platz ist unsere Base. Hier beantworte ich vor allem Emails und nehme Telefonate entgegen. Man kommt aber auch viel zu den Interview dazu, um die Leute einander vorzustellen. Zur Not schaltet man da noch das Guest Management ein, aber ich habe schon versucht, zu allen Premieren der Filme da zu sein, die keinen PR-Agenten haben.
Zum Filmegucken komme ich leider nicht so. Zeit hätte ich dafür höchstens vormittags und selbst da würde ich glaub ich eher wie auf heißen Kohlen sitzen und alle fünf Minuten auf mein Handy gucken, um nichts Wichtiges zu verpassen.

fGR: Vermisst du das? Vor allem als ehemaliger Berlinalezuschauer?
Timo: Wir haben nach der Berlinale als Mitarbeiter nochmal die Möglichkeit, zu kleineren Screenings zu gehen, aus genau diesem Grund. Aber es ist natürlich eine andere Atmosphäre, wenn man mit dem Publikum im Kino sitzt. Ich habe das aber dieses Jahr nicht soo sehr vermisst. Dadurch, dass ich für Generation die Filme zuhause vorsichten konnte. Die Atmosphäre fehlt dann zwar, aber man erlebt sie ja doch auf eine andere Art und Weise und auch sehr intesiv.

fGR: Hattest du schon ein Highlight dieses Jahr? Und welche Arbeitsphase gefällt dir am besten?
Timo: Die einzelnen Phasen waren alle spannend. Aber man merkt, dass wenn der Potsdamer Platz sich langsam belebt, die ersten Plakate hängen, sprich das Festival sich nähert und man die Leute endlich kennenlernt, mit denen man vorher so viel geschrieben und telefoniert hat, dann ist das das Schönste. Bei so etwas wie unserem Empfang am Montagabend mit anschließender Generationparty ist es wirklich fantastisch, alle mal auf einem Haufen zu sehen.

fGR: Hast du denn schon einen heißen Favoriten?
Timo: Da halten wir uns natürlich sehr zurück (zwinkert). Spaß beiseite, wir haben wieder ein wirklich tolles Programm, da kann ich einfach mal ein paar rausgreifen. Kissing Candice ist ein toller Film. Ästhetisch und musikalisch großartig, einer der Filme, die mir auch im Gedächtnis bleiben werden. Virus Tropical ebenfalls stark gemacht. Güvercin - ein sehr sensibles Portrait dieses jungen Mannes. Die Atmosphäre ist wunderbar eingefangen. Natürlich ist es auch eine tragische Geschichte, wie so häufig bei uns im Programm der Fall.
Im KPlus Programm definitiv Supa Modo. Obwohl der auch die schwierigen Seiten des Lebens beleuchtet, ist er wahnsinnig positiv. Am Ende kam bei der Premiere ja auch die Frage, warum die Protagonistin denn sterben musste, und ich persönlich habe das, wie der Drehbuchautor auch meinte, nicht als schlechtes Ende empfunden, sondern einfach sehr realistisch und ehrlich, fast schon ein Happy End. Auch eines meiner Highlights.

fGR: Wie ist das denn unter der Woche - weißt du jeden Tag, was dich erwartet, oder läuft alles eher spontan ab?
Timo: Es gibt viele eingetaktete Termine - Interviews und Premieren stehen schon fest, klar. Aber man bekommt schon zwischendurch immer wieder mal einen Anruf, dass jemand doch noch irgendwen interviewen möchte, dann versucht man eben, das zu ermöglichen. Dann fährt man mal eben zum Zoopalast und bringt die beiden zusammen. Ich würde sagen, das ist 50:50, es kommen immer spontane Dinge dazwischen, bei denen man schnell reagieren muss und sollte. Man versteht sich ja schon als Vermittler zwischen den Leuten die „Kunst machen“ und den Leuten, die das an die Öffentlichkeit tragen wollen, wie ihr zum Beispiel.
Unsere Sektionsleitung ist jetzt auch krank geworden und möchte zur Preisverleihung wieder gesund sein, da müssen auch mal Interviews verschoben werden. Aber vor allem dafür, dass das meine erste Berlinale war, lief alles bisher sehr gut. Die Kommunikation und Pressearbeit macht mir eben auch viel Spaß.
Ich würde das auch gerne im nächsten Jahr nochmal machen und hoffe, in der Zwischenzeit in Berlin bleiben zu können.

fGR: Fährst du auch schön mit dem Fahrrad überallhin?
Timo: (lacht) Gute Frage. Ich fahre eigentlich sehr gern und viel Fahrrad, bin letztendlich aber eine echte Frostbeule und habe letztens meine Handschuhe verloren - großes Drama. Deshalb bin ich während des Festivals nicht so viel gefahren. Das geht auch ganz gut, da hier am Potsdamer Platz der Hauptsitz ist und die Kinos auch ganz gut zu erreichen sind. Zum HKW ist man in einer Viertelstunde rübergelaufen. Ich bin also viel gelaufen. Beim Festival sitzt man eben nicht nur rum und hütet das Büro.

fGR: Kannst du auch schon ein Fazit ziehen, ob alles so ist, wie du es dir vorgestellt hast?
Timo: Mit den Interviews hat eigentlich alles geklappt. Die Feedbacks von den Filmemachern, die ich bisher bekommen habe, waren positiv bis überschwänglich, das erfreut natürlich zusätzlich. Wenn ich jetzt ein Fazit ziehen müsste, wäre es tatsächlich fast zu 100% positiv.

fGR: Und wenn du die Filmteams für Interview anfragst, wollen die dann auch unbedingt welche geben oder gab es auch ein paar, die eher meinten „Nee, lass mal“?
Timo: Die wollen unbedingt! Wir fragen natürlich immer erstmal, bevor wir ein Interview zusagen, und ich habe noch nie eine Antwort bekommen „Das geht jetzt aber nicht“ oder „Da habe ich keine Lust drauf“. Eher ganz viel „Yeaaah! Absolutely!“
Wir hatten nur einmal ein Problem. Da hatten wir eine Anfrage von der BBC für einen unserer iranischen Filme. Das ist ein sehr sensibles Thema, weil bei so großen Medien die staatlichen Zensurstellen ein starkes Auge drauf haben. Da gab es dann schon einmal das Problem nach einem Interview mit der BBC, dass die wieder eingereist sind und ihnen die Pässe abgenommen wurden. Deswegen muss man manchmal sagen: Okay, kleinere Sachen sind in Ordnung, aber so etwas können wir nicht bedienen.

fGR: Hast du schon eine Idee, wo du nach der Berlinale Unterkommst? Mit so viel viel Leerlauf muss man sich ja auch nach etwas anderem umgucken.
Timo: (lacht) sollte man. Ich bin auch nicht gut darin, längere Zeit tätigkeitslos herumzusitzen. Es gibt viele temporäre Kulturveranstaltungen, auch von der KBB selbst. Da hoffe ich noch unterzukommen. Ich werde mich auf verschiedene Sachen bewerben. Wenn es etwas Längerfristiges wird, muss ich gucken, ob ich diesen Job zwischenzeitlich einbauen kann. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich das also noch nicht so genau sagen, es bleibt aber auf jeden Fall spannend.

fGR: Was passiert nach der Berlinale noch?
Timo: Es gibt noch ein wenig Nachbereitungszeit bis etwas Mitte März. Da gibt es vor allem Nachbesprechungen. Die Hauptarbeit macht dann das Erstellen der Pressespiegel aus. Wir clippen während des Festivals schon alles, was irgendwie läuft. Dafür haben wir ja auch eine Clipping- bzw. Pressespiegel-Abteilung, die die Gesamtberlinale clippt. Da ziehen wir uns als Generation aber ein bisschen raus und schauen selbst nochmal drüber. Von vielen Journalisten bekommen wir ja auch direkt die Belegexemplare gesendet.
Damit beschäftigen wir uns dann hauptsächlich.
Nach dem Festival ist das auch ganz nett zum Herunterkommen. Dann sieht man auch, was eigentlich für Artikel erschienen sind, was wir für Presse gehabt haben. Das meiste kriegen wir zwar am Rande irgendwie mit, aber man hat nie die Zeit, sich schon während des Festivals hinzusetzen und alles durchzulesen.

fGR: Bei wie viel Kaffee bist du am Tag?
Timo: Das schwankt ein bisschen. Wir haben hier ja auch diese tolle Espressomaschine. Sobald ich ins Büro komme, trinke ich einen, und im Laufe des Tages können es schonmal vier Stück werden. Viel mehr aber auch nicht. Sonst werde ich auch zu hibblig. Ich habe eh schon den Hang, schnell zu reden, und bei zu viel Kaffee gibt es dann kein Halten mehr.

Johanna: Das ist mir gestern erst passiert. Ich kam dann nicht mal mehr zum Kaffee trinken!
Timo: (lacht) so geht es mir dann genauso.
Johanna: Schlafen kann man ja aber auch danach machen, oder?
Timo: Auf jeden Fall. Schlafen kommt danach. Das ist bei mir auch fest für den März eingeplant. Gestern bin ich aber mal früher gegangen, da habe ich mich 7 Stunden schon eine gute Mütze Schlaf gekriegt und jetzt geht es wieder.

fGR: Wann musst du denn immer hier sein?
Timo: Wir öffnen hier um 9.00 Uhr, aber wir haben ja an der Rezeption die Leute, die den Erstkontakt mit den Journalistinnen und Journalisten pflegen. In den ersten Tagen waren wir dann aber auch selbst gegen 9 Uhr da. Ich hatte häufig so früh schon einen Termin und wenn um 10 Uhr Premiere im HKW ist, ist man eben Viertel nach Neun da für die Vorbesprechungen und Treffen mit den Filmteams.

fGR: Und was ist das Letzte, das du am Tag tust?
Timo: Nachmittags sind wir hier immer für ein paar Stunden, aber dann geht es meist rüber ins HKW zu den Abendpremieren. Dann passt man auf, bis alle im Kino sind, und setzt sich dann in die Lounge und quatscht mit Kollegen - eine kleine Verschnaufpause sozusagen. Dann wartet man, bis die Q&As vorbei sind. Manchmal setze ich mich da noch mit rein oder auch direkt in den ganzen Film, weil die wie gesagt auf der großen Leinwand immer nochmal anders wirken, zum Beispiel bei Unicornio. Danach hat man meistens noch etwas zu koordinieren und geht im Anschluss auf irgendeine Party oder aus dem HKW nach Hause. Meist ist das HKW unsere letzte Station des Tages.

Wir unterhalten uns noch etwas über die Qualität der Sitze in den unterschiedlichen Kinos und über unsere weiteren Pläne für den laufenden Tag, dann bedanken und verabschieden wir uns bei Timo, holen uns einen weiteren Kaffee und brechen auf zum HKW.
04.03.2018, Johanna Gosten

Kurzfilme 2



Kiem Holiander
Der diesjährige Gewinner der Jugendjury führt uns in eine bedrückende und berührende Welt zweier Brüder, die versuchen gegen die Armut anzukämpfen. Alles Geld, was sie zum Beispiel durch Milch austragen erarbeiten, soll an die Familie gehen, obwohl der 13-jährige Andi viel lieber ein eigenes Handy hatte. Er und Florist teilen sich ein kleines Zimmer und stehen sich durch die Armut sehr nahe, der Film fängt mit tollen Einstellungen das unausgesprochene, zwischenmenschliche der beiden auf. Man fühlt sich als Zuschauer gradezu zwischen den beiden und kann die Gefühle beider spüren, aber auch die gegensätzlichen Wünsche und Ziele, die die Familie auseinander zieht. Ein sehr berührender Film, der meiner Meinung nach den gläsernen Bären auf alle Fälle verdient hat!

Premier Amour
Lamiche und ein junges Mädchen, die seine Freundin zu sein scheint und dessen Name das Publikum nicht erfährt, müssen sich heimlich am See treffen um ihre Liebe ohne Angst auszuleben, denn die Familien gehören unterschiedlichen Klassen an und über ihre Köpfe hinweg werden wirtschaftliche Entscheidungen getroffen, die den gemeinsamen Weg nicht leichter machen. Es wird nicht sonderlich viel gesprochen, der Film überzeugt mit starken Naturaufnahmen französischer Wälder, die einen Kontrast zum unverschönten und kalten Alltag in der Kleinstadt bilden. Zwar braucht man eine kurze Zeit, um in die Geschichte des Filmes zu finden, er entwickelt sich aber mit Spannung zu einem dramatischen Finale mit einem etwas offenem Ende, durch das man in den Film hineingesogen wird.

Na Zdrowie
Abstrakt gezeichnete, bunte Figuren und Formen, die Menschen und eine Stadt zu veranschaulichen scheinen. "Na Zdrowie" - zu deutsch "Gesundheit" - zeigt mit ungewöhnlicher Animation wie sich Keime durch Niesen unter den Leuten verbreiten. Fünf Minuten lang sieht das Publikum wie die Figuren und Formen ineinander übergehen, sich vervielfältigen und von anderen verschluckt werden. Was einem beim Schauen zuerst nur lustig und unverständlich erscheint, ist eine durchdachtes Bild, das die Enge und gleichzeitig Ferne im Umgang miteinander behandelt und dem Zuschauer vielleicht Anregung geben soll, auch wenn die meisten eher belustigt den Film hinter sich lassen.

Juck
Ein dokumentarischer Einblick in die schwedische feministische Bewegung Juck, die von einigen Mädchen gegründet wird und für alles steht, was Weiblichkeit ist. "Weiblichkeit ist ein Wort, was wir mit allem füllen können, was wir wollen", sagen sie selbst - und leben das vollkommen aus. Gegen Klischees, Ordnung und alles, was Frauen von der Gesellschaft vorgeschrieben bekommen zu seien, ankämpfend, verbreiten sie mit Natürlichkeit und etwas Extremität ihre Stimme und Ziele: Frauen so sein lassen, wie sie es wollen. Mit rhythmischen und lauten Beats stellt "Juck" die Mädchen einzeln und die Bewegung vor und reißt das Publikum mit. Ein fantastischer Film, der die Preise auf jeden Fall verdient hat und zum Denken und Bewegen anregt. Wie dem Publikum vermittelt wird: Alles ist Juck, Du bist Juck, alle sind Juck! Unbedingt mehr davon bei der Berlinale!

03.03.18, Clara Bahrs

Das Mahlwerk der Anpassung

For English Version

Ein Interview mit der Regisseurin und dem Produzenten von Güvercin

Nachdem wir den türkischen Film Güvercin erst am zweiten Samstagabend der Berlinale hatten sehen können, wussten wir es sehr zu schätzen, dass das Filmteam – leider mit Ausnahme des Hauptdarstellers - noch vor Ort war. Dank der höchst engagierten Pressesprecherin Lena hatten wir noch einen Interviewtermin für den letzten Nachmittag, den Sonntag, festlegen können und so setzten Liv und ich uns nach dem finalen Screening im CinemaxX noch für eine halbe Stunde mit der Regisseurin Banu Sıvacı und Produzenten Mesut Ulutaş zusammen. Beide waren sehr offen und durch die Übersetzungsleistung Mesuts kam es zu einem aufschlussreichen Gespräch.


fGR: Da Güvercin Ihr erster Spielfilm ist, ist Ihnen die Thematik sicherlich sehr wichtig. Was hat Sie dazu inspiriert?
Banu Sıvacı: Mein erster Inspirationspunkt lässt sich an einem Vogelzüchter, den ich in meiner Kindheit häufig gesehen habe, festmachen. Ich komme ursprünglich aus Adana, der Stadt, in der auch der Film spielt. Dort gibt es diese speziellen Menschen, die Taubenzüchter, recht häufig, wodurch sich auch ein großer Teil meiner Inspiration aus meiner Kindheit speist.
Die Vogelzüchter lassen sich vor allem in ärmeren Gegenden finden, sowohl in Städten als auch in ländlicheren Regionen. Tatsächlich, wie Produzent Mesut an dieser Stelle ergänzt, soll es wohl auch mehrere Vogelzüchter in Berlin geben, wie ein Taxifahrer ihnen erzählt hatte. In Städten sei es einfach, einen kleinen Unterschlupf mit einem Dach zu finden. Viel mehr sei zum Halten der Tiere gar nicht notwendig.
Im Sinne des Films stehen die Tauben für die außergewöhnlichen Träume der Menschen, deren außergewöhnliche Geduld und die Freiheit.

INTERVIEW - LES FAUX TATOUAGES


After the screening of “Les Faux Tatouages“ we met with the two protagonists Rose-Marie Perreault and Anthony Therrien for a short interview. They gave us an exclusive insight into the shooting process as well as their opinion on the similarities between their characters and their own personalities.

fGR: Why did you two audition for the movie in the first place?
Anthony: Well, I guess that’s because it’s kind of our job to do so (laughing). Also because Pascal actually asked us to do the audition first.

fGR: So, you knew him before?
Anthony: Yeah, well I didn’t knew him personally but when I went to the audition we first met and we had coffee together and we talked. And then he gave me the part. I met Rose-Marie on an other set, and I told her you have to audition for that, and then she went to the audition and –
Rose-Marie: Well, I was not supposed actually to audition because I was two years older than what Pascal imagined.

fGR: How old are you?
Rose-Marie: I’m 22, and he imagined the girl to be more like 18 years old. But we really got along together shooting another project, so I asked my agent ‘can you just ask this guy if I could pass the audition’ and it worked.

fGR: Do you find parts of yourselves in your characters?
Anthony: Of course. Théo is not a mean person or what so ever but there are some things about Theo that I like and some I awfully hate. But over all it’s a great character. But I personally love a lot of things about her character Mag.

Rose-Marie: Yeah, she is very free spirited and self-confident. She is probably more self-confident than I am (laughs). She is very outgoing also, she just goes in life the way she wants to.

fGR: Do you have any real tattoos?
Anthony: Umm, I don’t (laughs). We don’t even have tattoos right? But, yeah, eventually I think.. 

Rose-Marie: I’d go to Europe before having a tattoo.. 

Anthony: Right, exactly. Its’s actually the opposite of Mag’s character (as it is said in the movie). It’s rather travel than having tattoos.  

fGR: Do you know, what you would get?
Anthony: Oh that’s a good question! I don’t actually know. Probably something related to a movie or a book that I like.

Rose-Marie: I’m a bit scared of tattoos I think I wouldn’t want..

Anthony: … are you scared of needles?

Rose-Marie: No, not of needles but the fact that having something on your body for your whole life… It scares me.

Anthony: Yeah, it’s a thing! (both laughing)

fGR: Do you like to portray such tough characters or do you rather portrait shy ones?
Rose-Marie: I don’t think I have a preference but what I like is doing something that is not too close to my personality.  And also having to change physically like really dress up as the characters. So, this is fun like you put on your costume, and you already feel different.

Anthony: I think it’s kind of the same for me. I mean, of course I’ve been casting mainly for drama movies since I started. Now, this one is kind of a more light, romantic comedy. It’s kind of an easy-going movie. So, of course I like both but if I had to choose I’m more of a comedy-guy, I like doing funny stuff. So, I don’t have any preferences, too. Any part that I like, I would say. 

fGR: So, this movie wasn’t your first one for both of you?
Anthony: No, it wasn’t our first.

fGR: What did you do before?
Anthony: I came here with a movie, 4 years ago, with Corbo. And I did a couple of other movies from Montreal. Maybe that hasn’t travelled like Corbo or Les Faux Tatouages but yeah I did other movies and so did you.

Rose-Marie: Yes, I did some TV shows and some movies, but this was my biggest role like in terms of the time on screen…

Anthony: …and you killed it! (laughing)

fGR: Yes, you did! You both did!
What did you have to do in the audition? Was there a certain task you had to accomplish?

Rose-Marie: The audition scene was the first scene in the restaurant where Théo and Mag meet, this very long scene, which is quite nice because we could like get to know each other..

Anthony: It was actually just a part of that scene, and then he (meaning Pascal Plante, the Director) was like ‘after those lines are done you can just go and do improv’. So, we were like ’oh okay, let’s do it’, and as I said actually I didn’t have an actual audition. It was a meeting with Pascal, and he saw some of the things that I did before. So, he kind of knew how I could play. I mean, of course there were a few lines I had to read like for an audition (fingerquotes) but that wasn’t a big deal. But your audition was quite tough, and you actually did really well..

Rose-Marie: Yeah, because I like improvisation. And since we knew each other and our humor and everything it was easier to just like be..

Anthony: Yeah, exactly we had that connection from the start. So, you know you could just like actually just play around and that stuff (laughing)

fGR:  Do you think like hypothetically that you characters could have started a distant relationship in the movie?
Anthony: I would say yes. I think that is what the movie does actually. But also what I love about this movie is that it doesn’t actually ends super well but it doesn’t actually ends super bad either. So, you have those like possibilities where you can just pick which one you want.

Rose-Marie: Yes, and when they spent their months together they never say I love you. They are not committed as a couple. They could have tried to keep some kind of connection but it’s also beautiful that they don’t for a while, and then she called him back, I think it’s more special.

Anthony: I think that the fact that they could have kept contact with each other would have been also very painful. So you know, when they said goodbye it was done. And they knew it from the start, so it’s kind of an easier thing to do then if I had to like just leave in the morning.

fGR:  Where do you both come from? From Montreal?
Anthony: Yeah. Well, I’m from a suburb of Montreal. But I’m Montrealer, I was born in Montreal.

Rose-Marie: I’m from a smaller city maybe two hours away from Montreal. But I lived in Montreal for the last five years.

fGR:  Rose-Marie, do you actually like Beyoncé’s “Single Ladies” song?
Rose-Marie: Not really. If I had to say 5 singers I like, I wouldn’t say Beyoncé. I don’t hate her but she is not part of my background. 

fGR: What kind of music are you listening to?
Anthony: Such different styles. Actually my brother listens to country, so I listen to country with him. And then I listen to rap with my friends and to rock with my father. So, I’d say any type of music.

fGR: One last question: Does this „malamute“ you’re talking about in the movie really exist?
Anthony: Oh yeah, sure. It’s this big dog from Alaska. It’s a real thing. You can google it, it will definitely become your new favorite animal! (both laughing)


Thank you for this interview.



27.02.2018, Vivien Krüger & Moritz Palma

„Wir sind wie der Joghurt hier, unser Verfallsdatum ist am 20.“


Mit Theo und Mag treffen zwei Charaktere aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Er ist eher schüchtern und in sich gekehrt, während Mag sehr kontaktfreudig, direkt und kommunikativ ist. In der Szene, in der die beiden das erste Mal aufeinander treffen, lernen sich nicht nur Mag und Théo, sondern auch Anthony und Rose-Marie, die Schauspieler von "Les Faux Tatouages", das erste Mal kennen. In einem ungewöhnlich langen Take von achteinhalb Minuten ist nur der Beginn vorgegeben, der Rest ist improvisiert und „echtes“ Kennenlernen.

Im Laufe des Films verfolgt der Zuschauer, wie die Beziehung der beiden wächst und sie immer vertrauter miteinander werden. Das hat zur Folge, dass auch Theo viel aufgeschlossener und unbeschwerter wirkt als zuvor. Neben diesen langen Takes und Weitwinkelperspektiven, setzt der Regisseur Pascal Plante Akzente durch die Farbgebung. In den Szenen, in denen es Theo gutgeht und er mit Mag zusammen ist, sind die Töne sehr hell, klar und rötlich gehalten. Wenn Theo allerdings nach Hause kommt, wechseln die Farben in dunklere schwarz-weiß Töne, die die Atmosphere, die bei ihm Zuhause herrscht, widerspiegeln. Auch, wenn Théo zu seiner Mutter kein sonderlich gutes Verhältnis zu haben scheint, geht er mit seiner Schwester sehr unbekümmert und ehrlich um. Die Kolorierung war Plante, wie er im anschließenden Publikumsgespräch erzählt, äußerst wichtig. Als in einer Szene zufällig ein blaues Auto vorbei fuhr, ließ er sie allein aufgrund der unpassenden Farbe neu drehen.

Auch die musikalische Inszenierung wird voll ausgeschöpft. Ob punkige Rockmusik, Popmusik von Beyoncé, französische Chansons oder eingängige Blues-Songs -es ist für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Auffällig ist, dass auch die beiden Protagonisten hauptsächlich T-Shirts von verschiedenen Bands tragen.

Nach und nach kommt der Zuschauer auch Théos Vergangenheit auf die Spur. Seit einem gemeinsamen Autorennen, das ganz zu Anfang des Films angedeutet wird, sitzt sein Freund Kevin im Rollstuhl. Allerdings stellt der Regisseur den persönlichen Hintergrund von Theos Charakter bewusst nicht in den Mittelpunkt. Der Hauptfokus liegt nach wie vor auf der Romanze zwischen Mag und Theo.

Plante zeichnet mit seinem Film keinesfalls eine klischeehafte, idealisierte Liebesgeschichte. Er legte großen Wert darauf, eine zeitgenössische und universale Liebesgeschichte zu erzählen, die dem Publikum die Möglichkeit gibt, zu reflektieren. Dies wird auch durch die flüssigen, natürlichen Dialoge deutlich. Ebenso durch die Sprache, die bestehend aus einem mit englischen Vokabeln durchzogenen Französisch wahrheitsgetreu an die Jugendsprache in Montreal angelehnt ist. Da beide Schauspieler gebürtig aus der Nähe Montreals stammen, fiel es ihnen ganz besonders leicht, die Dialoge zum Leben zu erwecken. Auch die Chemie zwischen den beiden war von Anfang an vorhanden, weswegen viele Szenen verhältnismäßig schnell abgedreht werden konnten -was bei einem Low-Budget-Film kein unwesentlicher Faktor ist.

Den Rahmen der Handlung bildet Daniel Bélangers Chanson „Sèche Tes Pleurs“, den Mag in einer der ersten Szenen für Théo auf der Gitarre spielt und dazu singt und in der letzten Théo für sie. Die Tattoos selbst sind kaum Bestandteil der Handlung. Bis auf das unechte Klebe-Tattoo, das Mag auf Théos Arm bemerkt und das Tattoostudio, in dem Théo gegen Ende des Films aushilft, gibt es keine weiteren Referenzen. Wie uns die beiden im anschließenden Interview erzählen, haben sie tatsächlich kein einziges Tattoo. Für Rose-Marie („Mag“) ist die Vorstellung, etwas auf ihrem Körper zu haben, das nie wieder abgeht, sogar sehr despektierlich.

Abschließend ist zu sagen, dass Regisseur Pascal Plante genau wusste, was er wollte und stets eine sichtbar genaue Vorstellung davon hatte, wie sein Film zu sein hat. Die Schauspieler hat er bewusst nur zu einem bestimmten Grad improvisieren lassen, um Natürlichkeit und Authentizität zu bewahren.

In Anlehnung an seine eigene Jugend hat er es geschafft, ein intimes Bild von der flüchtigen Beziehung zweier gegensätzlich anmutender Charaktere zu zeichnen.



Vivien Krüger, 26.02.18

Die Preisträger der diesjährigen Berlinale - KPlus


Auch bei Generation KPlus wurden nun die Gewinnerfilme gekürt. Es gab im diesjährigen Festivalprogramm insgesamt 14 Langfilme und 19 Kurzfilme zu bestaunen. Wie die beiden Jurys nun entschieden haben, könnt ihr hier, in der gleichen Reihenfolge wie in der Preisverleihung vergeben, aufgeführt sehen.


Internationale Jury


Kurzfilm

Lobende Erwähnung: Cena d’aragoste

Geldpreis: Jaalgedi


Feature Film 

Lobende Erwähnung: Allons Enfants


"Als Erwachsene sind wir immer besorgt, weil wir alle Dinge sehen, die passieren könnten. Aber Kinder machen sich keine Sorgen, sie sind fantasievoller und optimistischer. Tatsächlich denke ich, dass der Film optimistisch ist; denn er zeigt uns, selbst wenn die Situation kompliziert ist, schau dir die Kinder an; sie leben, sie sind einfach voller Leben." - Stéphane Demoustier, Regisseur (zur Kritik)



Geldpreis: Sekala Niskala


"Es ist, als wäre der ganze Film wie ein Lied. Es gibt keine Geschichte, es ist mehr ein Versuch, die Gefühle der Protagonisten zu beschreiben. Der Versuch diesen Moment einzufangen und mit Bild, Tanz und Musik festzuhalten. Der Moment zwischen Realität und Traum, zwischen Leben und Tod."
- Liv (zur Kritik)






Kinderjury


Kurzfilm

Lobende Erwähnung: Snijeg za Vodu

Geldpreis: A Field Guide to Being a 12-Year-Old Girl


Feature Film

Lobende Erwähnung: Supa Modo 

"Berührend von der ersten Minute, schafft dieser Film es, sein Publikum in den Bann zu ziehen. Die Heiterkeit über die Freude, die Jo beim Superwoman-Spielen verströmt, schafft es nicht ganz, die drohende Gewissheit über ihr Schicksal vergessen zu lassen. So wird man bereits zu Beginn des Filmes davon überwältigt. Doch genau das ist gewollt. Jos unglaublich ansteckende Entzückung steht im Kontrast zu der Traurigkeit, die jeden überkommt, wenn er an ihre Zukunft denkt." - Sarah (zur Kritik)

Geldpreis: Les rois mongols


"Der Film beginnt sehr trist und dunkel, wendet sich aber und blüht in herbstlichen Farben und tollen Klängen auf, als auch die Kinder aufblühen und für kurze Zeit genau das haben, was sie sich so wünschen: Eine richtige Familie. Allerdings ist eine erneute Wendung voraussehbar - es scheint so, als ob ein Leben ohne Probleme oder Komplikationen einfach nicht möglich sei. Und so wird der Film auch in seinen lustigen und glücklichen Momenten von einem grauen Schleier der nicht funktionierenden Familie bedeckt, der auch nicht durch allen Eifer und alle Versuchen der jungen Protagonisten für ein glücklicheres Zusammenleben durchbrochen werden kann. " - Clara (zur Kritik)

25. Februar 2018

Rote Fäden der Kindheit

For English Version

Ist Kindheit überall identisch, kann man Kindheit für alle gleich definieren? Ganz gewiss nicht: mit den Kurzfilmen 2 in KPlus bekommt das Publikum sechs Kurzfilme aus sechs verschiedenen Ländern zu sehen, die uns ganz individuelle Einblicke in die Kindheit unterschiedlicher Kulturen oder Schichten gibt.

Yover
Yover steht morgens auf, setzt sich auf sein Lastenrad um Lebensmittel und andere Dinge an Bewohner des Dorfes auszutragen. Der Film begleitet den Jungen einen Tag lang von morgens bis abends und gibt einen Einblick in den Alltag in einem kleinen kolumbianischen Dorf. Durch viele schöne Einstellungen kann man das Dorf am Regenwald bewundern, und auch wenn Cover inhaltstechnisch nicht sehr ausgeweitet ist, genießt man die 14 Minuten, in denen man in die Rolle eines Kindes in kolumbianischer Kultur schlüpfen kann.

Trois rêves de ma jeunesse
Ohne viele Worte folgt man einem Mädchen, das durch malerische Bilder Rumäniens streift. Sie schlendert über Märkte, durch Felder oder steigt einfach in einen Zug. Der Film wirkt genau so verträumt wie die junge Protagonistin, sowohl durch wunderschöne Farben, Geräusche und Nahaufnahmen bekommt man Eindrücke aus dem Leben eines Kindes, das die Welt erkundet. Auch hier ist eine Handlung nicht wirklich vorhanden, aber der Film verzaubert durch seiner Verträumtheit und zieht die Zuschauer in diesen zwölfminütigen Bann.

Tråderr
Mit niedlicher Animation erzählt die norwegisch-kanadische Produktion von der Verbundenheit zwischen Mutter und Kind, die durch einen roten Faden visualisiert wird. Von der Geburt, durch die Pubertät bis hin ins Erwachsene zeichnet der Film die Entwicklung der Mutter-Kind Beziehung und lässt dem Publikum mit der leichten Erzählweise ohne Sprache das Herz aufgehen.




The collection of shortfilms 2 in the K-Plus Section tells six different stories of childhood in different cultures and countries.

Yover
Yover gets up in the morning, takes his bike and deliver things villagers. The film accompanies the boy for a whole day from morning to evening and gives an insight into everyday life in a small Colombian village. With many beautiful settings, you can admire a little town near the rainforest, and even if "Yover" hasn't a big plot you can enjoy slipping into the role of a child in Colombian culture.

Trois rêves de ma jeunesse
Without many words we follow a girl who walks through beautiful pictures of Romania. She strolls over markets, through fields or gets on a train. The film is just as dreamy as the young protagonist and with beautiful colours, sounds and close-ups it gives you an impression of the life of a child exploring the world. There is no huge plot here either, but the movie enchants the viewer with its dreaminess and draws the audience into this twelve-minute spell.

Tråderr
With cute animation, the Norwegian-Canadian production tells of the bond between mother and child, which is visualized by a red thread. From birth, through puberty to adulthood, the film traces the development of the mother-child relationship and makes the audiences hearts arise with an easy way of narration without language.

25.02.2018, Clara Bahrs

Zwischen Gesellschaftskritik und Zensur

For English Version

Interview mit dem Filmteam von "Hendi va Hormoz"

Nach der letzten 14-Plus Premiere von „Hendi & Hormoz“ am Donnerstagabend hatten Liv und ich am Freitagvormittag die Möglichkeit das Filmteam auf ein Interview am Zoopalast zu treffen. Wir betreten die Zoolounge, in der im Hintergrund leise Jazzmusik läuft und werden freundlich von der Generation Gästebetreuerin empfangen und zum Filmteam geführt. Alle begrüßen sich gegenseitig, neben dem Regisseuren Abbas Amini ist noch die künstlerische Leiterin des Filmes da, außerdem zwei weitere Frauen, die wohl nicht direkt zum Filmteam gehören, wovon sich eine allerdings als Schwester des Regisseuren herausstellt. Schnell sehen wir, dass wir ein kleines Kommunikationsproblem haben werden, da niemand von uns Farsi oder Französisch spricht und sich niemand so wirklich zutraut, das Interview nur auf Englisch zu führen. Wir überlegen kurz alle zusammen, ob wir versuchen durch eine Handysoftware die Antworten des Teams übersetzten zu lassen, aber da wir auch auf den Produzenten warten können und wir alle Zeit haben, sitzen wir noch ein bisschen in der Zoolounge und trinken Tee. Dann kommt auch schon der Produzent Pouria Heidary Oureh und wir können beginnen.

freie Generation Reporter: Vor zwei Jahren waren Sie mit „Valderrama“ bei der Berlinale und jetzt mit „Hendi va Hormoz“ - beide Filme erzählen von jungen Menschen, die versuchen ein besseres Leben zu haben. Ist das ein Thema, zu dem sie persönliche Erfahrung haben?
Abbas Amini: Nicht aus meinem eigenen Leben, aber da ich mit und für Kinder arbeite, die aus keinen guten Lebensverhältnissen kommen, bekomme ich dadurch viele Einblicke und möchte diese Schicksale erzählen.

fGR: Der Film spielt auf der Insel Hormuz, wie war es dort zu drehen? Wie haben Sie die Schauspieler gefunden und spiegelt der Film ein realistisches Bild der Situation auf der Insel wider?
AA: Normalerweise werden auf Hormuz nur Werbefilme gedreht, da die Natur sehr schön ist, ich glaube vor unserem gab es noch keinen fiktionalen Film, der dort gedreht wurden. Wir haben während des Drehs auf der Insel mit den Menschen zusammengelebt und ich habe Bürger der Insel gesucht, die im Film genau das spielen, was sie auch in der Realität machen. Daher ist alles, was man im Film sieht, real - vor allem die Probleme wie Arbeitslosigkeit ist auf Hormuz ein sehr aktuelles Thema.

fGR: Mit Ihrem Film kritisieren Sie unter Anderem die Situation der Eheschließung im Iran. Wie wird das von der Gesellschaft gesehen, wird es akzeptiert, seine Kinder so früh zu verheiraten?

Das Team diskutiert etwas länger über die Frage und auch die beiden Frauen, die mit am Tisch sitzen, tragen viel dazu bei.
AA: In Großstädten ist es nicht angesehen, seine Kinder in so einem jungen Alter zu verheiraten, da die Menschen mehr Aufklärung darüber besitzen. In kleineren Orten wie Hormuz allerdings kommt es öfter vor, dass junge Mädchen heiraten oder schwanger werden, weil die Aufklärung fehlt. Und das ist es, was wir mit dem Film machen wollen: Die Menschen aus solchen Orten über die Folgen aufzuklären.

fGR: Der Film wird also auch im Iran gezeigt?
AA: Ja! Als Filmemacher, die sich mit sozialkritischen Themen befassen, haben wir im Laufe der Zeit gelernt, Filme so zu gestalten, dass wir unsere Aussage zeigen können, ohne Richtlinien zu überschreiten. Außerdem sagt der Produzent selbst auch noch etwas: Wir haben eine strenge Zensur im Iran; bevor man einen Film machen will, muss das Drehbuch von dem Staat akzeptiert werden. Kussszenen oder Ähnliches werden generell zensiert, deswegen muss man sich bei solchen Dingen immer andere Wege ausdenken, das Gewollte zu vermitteln.

Wir finden alle, dass das im Film sehr gut funktioniert hat und reden ein wenig über die Szenen, in denen die Zuschauer ihre Phantasie einsetzen müssen.

fGR: Sie benutzen sehr starke und viele Farben im Film und das steht im Kontrast zu der Traurigkeit der Geschichte. Ist das Absicht?
AA: Ja. Auf Hormuz gibt es mit der Natur so viel Schönheit, wir wollten daher mit dem Film zeigen, dass es trotz dessen traurige Schicksale geben kann.
Die künstlerische Leiterin erzählt uns außerdem von der Tatsache, dass viele trotz einer schmutzigen Arbeit oder einem ärmlichen Leben sehr farbenfrohe und schöne Kleider tragen, um dies damit zu überblenden. Dieser Konflikt sei auch eines der Hauptintentionen für den Film gewesen.

fGR: Sie haben außerdem sehr viel mit dem rot des Hämatits gearbeitet - steckt hinter der Farbe noch mehr Bedeutung?
AA: Man findet auf Hormuz viele verschiedene Farben, aber wir fanden den roten Staub von Hämatit sehr aussagekräftig. Außerdem wollten wir mit dem roten Wasser am Ende die vielen Tode durch dieses symbolisieren. Es wäre unglaublich schwer für uns im Iran gewesen, die Sachen durch die Farben so auf die Leinwand zu bringen, deswegen möchten wir uns unbedingt bei den Leuten der Postproduktion - unserer Co-Produktion MagicLab - bedanken. Durch die Postproduktion ist der Film erst zu dem geworden, was er jetzt ist!


Wir reden noch ein bisschen über die Wirkung der Farben und die Postproduktion allgemein, bis die Zeit von allen auch langsam zu Ende geht. Natürlich bedanken wir uns ganz herzlich für die lange Zeit und die wirklich ehrlichen Antworten, aber auch das Filmteam ist dankbar für das Interview und will uns sogar noch Filmclips und Fotos schicken, die wir verwenden können. Dann verabschieden wir uns und eilen auch schleunigst zum nächsten Film - allerdings nicht ohne noch einmal die ganzen Einblicke und Anstöße durchzugehen, die wir durch das Interview über die Schwierigkeiten und Abläufe einer iranischen Filmproduktion bekommen haben.



About Critic Without Censoring


An interview with the film crew of "Hendi va Hormoz"

Friday we had the chance to meet the film crew of "Hendi va Hormuz" to have an interview with them. When we entered the ZOO-Lounge the guests responsible takes us to the crew. Beside the director Abbas Amini there are also the art director and two other women, later we hear that one of them is the directors sister. Quickly we notice that there will be a communication problem, because none of us speaks Farsi or French and no one really dare themselves to do the interview only in English. We think about maybe starting the interview with a translating software, but the producer Pouria Heidary Oureh was also on his way so we just wait. 15 minutes and a tee later we can finally start.

free generation reporter: With your Film "Valderrama" two years ago and „Hendi va Hormoz“ you show two stories of young people reaching for a better life - is this a topic you have personal experiences with?
Abbas Amini: Not from my own life, but i’m working with and for children who haven’t such an easy life, so I get the ideas for films of the life experiences of these children, which I want to bring to the world.

fGR: You filmed on the island Hormuz, how was it to shoot there? How did you find the actors and are the stories you showed in the film also problems in real life?
AA: Usually only advertisement movies are filmed on Hormuz because of the beauty, so I think there were no fictional movies filmed before. I tried to cast people who actually did the job in real life, so they live all on the island and doing the job they do in the film. So all the things we showed are real, there are many problems like on Hormuz like the unemployment, there live only around two thousand people but there isn’t enough work.

fGR: You also criticised the situation of marriage with the film. Is it accepted in the iranien society to get married and pregnant so early?

They discuss the question a little longer also the two woman who haven’t said something before comment something.

AA: In big cities where the people have more education in general the society don’t like children to get married so young. But in small places like Hormuz nobody think it's bad thing to marry their children with thirteen, because they don't have enough education about it. And that is what we want to do with the film, to inform the people from such small cities about issues that could happen.

fGR: So the film will be shown in Iran?
AA: Yes! As social issue filmmakers we learned through the time to make films in a way in which you can say the things you want to say but don’t cross any lines.
Pouria Heidary Oureh: We have a really strict censoring in Iran, before you produce a movie you have to show the script to the government and they have to accept it. Kissing or touching scenes aren’t allowed in Iran in general so you have to find always another way to express them and get the viewers unterstand.

We both think that it worked very well in the movie and talk a little about the scenes the viewers had to use their imagination.

fGR: You use very bright colours in the film and that stands a in a contrast to the sad story - is that with purpose?
AA: Yes. As you said there is so much beauty on this island and i wanted to show with the film that even with so much beauty and also the colourful closes the people wear there can be so much sadness.
Also the art director tells us that one of the main conflicts they wanted to show is that although people are poor and have a very dirty job they wear this beautiful clothes to hide it.

fGR: And you work also much with the red colour of the the hematite - is there more meaning behind it?
AA: You can find different strong colours on the island, but we thought the red has most meaning and we chose the red coloured water at the end to show how many people died there. Actually it would have been very difficult for us to get all the things with the colours on the screen so we want to really thank the people who did the post production for us - our co-production MagicLab - they helped us so much with popping up those beautiful colours to do the movie as it is now.

We talk a little longer about the postproduction and colours, but slowly the time is coming to the end and we thank the film crew for their long time and the really honest answers. But also the crew is very thankful and offers us to send filmclips and pictures we could use. After it we are leaving the Zoopalast with our minds on the interesting insight we got about a critical film production in Iran.


25.02.2018, Clara Bahrs

Kurzfilmrolle 2

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Paper Crane
Das Portemonnaie ihres Vaters verstecken. Mit dem Ball der Nachbarskinder spielen. Es gibt so viele Dinge, mit denen Sora versucht, ihrem Leben Freude und Abwechslung zu bieten. Denn alles, was ihre Eltern und Großmutter von ihr wollen und schätzen, sind gute Schulnoten und ihre Violinenfertigkeiten. Zu ihrem Geburtstag sind nicht einmal Freunde eingeladen.
Paper Crane berichtet von den unerhörten Wünschen eines Mädchens, das keine richtige Kindheit zu haben scheint. Mit vielen Nahaufnahmen und Standbildern von Gegenständen ihrer Sehnsucht zeichnet Tarumi Kawakami das trostlose Bild von Sora, die sich nichts sehnlicher wünscht, als eine normale Kindheit.

Fire in Cardbord City
Das finale Feuerwerk der Kurzfilmrolle 2 von KPlus. In einer Stadt, die aus Pappkartons gebastelt ist, bricht ein Feuer aus und selbst die stadteigene Feuerwehr verfällt in Panik. Schreiend versuchen sie, das Feuer zu bändigen, machen es jedoch mit Wasserstrahlen aus Pappe, die umgehend selbst Feuer fangen, nur noch schlimmer.
In neun Minuten wird der Kinosaal herzlich zum Lachen gebracht. Ein Kurzfilm, der aus der traurigen Stimmung reißt, in die man nach so manchem Berlinalefilm gerne mal verfällt. Ein dramatisches Stück Action, wie man es aus Kindertagen kennt, als man sich selbst noch Geschichten für die eigenen Spielfiguren ausdachte.

Jaalgedi Der Gewinner des Geldpreises der Internationalen Jury hat sich diese Auszeichnung wahrlich verdient. Hoch in den Bergen Nepals wird die Protagonistin in ihrem Alltag begleitet. Während die Jungs in die Schule dürfen, müssen die Mädchen die Kühe und Ochsen hüten. Sowohl Bildung als auch Zeit zum Spielen bleibt ihnen in ihrem jungen Alter verwehrt. Ein weißer Besucher im Ort ist eine Sensation. Auf sensible Art und Weise wird das Landleben in Nepal eingefangen. Liv fühlte sich direkt an ihre Zeit in Nepal zurückversetzt und auch ich selbst hatte den Eindruck, mit vor Ort zu sein. Es muss nicht viel gesprochen werden, um die Handlung klar zu machen. Jaalgedis kindliche Naivität wird eingefangen, als sie mit einem gefundenen Strohhalm spielt und die ihr auferlegten Pflichten vernachlässigt. Ein kompaktes Portrait eines Mädchens, das sich ihre Neugierde nicht nehmen lassen möchte.

25.02.2018, Johanna Gosten



short film reel 2


Paper Crane
Hiding her father's wallet. Playing with the ball of the neighboring children. There are so many things with which Sora tries to offer her life joy and variety. Because all her parents and grandmother want and appreciate is good school marks and her violin skills. Not even friends are invited to her birthday.
Paper Crane reports on the unheard desires of a girl who seems to have no real childhood. With many close-ups and stills of objects of her longing, Tarumi Kawakami draws the desolate picture of Sora, who desires nothing more than playing outside with her friends.

Fire in Cardbord City
The final fireworks of the short film reel 2 of KPlus. A fire breaks out in a city made of cardboard boxes and even the city's own fire brigade panics. They screamingly try to tame the fire, but make it worse with water jets of cardboard, which immediately catch fire themselves. In nine minutes, the cinema hall is made to laugh heartily. A short film that takes you out of the sad mood in which many Berlinale films leave you. A dramatic piece of action as you know it from childhood, when you thought up your own stories for your own game characters.

Jaalgedi

The winner of the International Jury's monetary prize truly deserves this award. High up in the mountains of Nepal, the protagonist is accompanied in her everyday life. While the boys are allowed to go to school, the girls have to herd the cows and bulls. They are denied both education and time to play at their young age. A white visitor in town is a sensation. Country life in Nepal is sensitively captured. Liv felt directly taken back to her time in Nepal and I myself had the impression to be there in person. There is not much to be said to clarify the plot. Jaalgedi's childlike naivety is captured as she plays with a found straw and neglects the duties imposed on her. A compact portrait of a girl who doesn't want to lose her curiosity.

25.02.2018, Johanna Gosten