Der dänische Meister der Animation

- Ein Interview mit Jannik Hastrup -

Wie so viele andere Jugendliche in Dänemark bin auch ich mit Jannik Hastrups Kinderfilmen aufgewachsen. Alles von „Bennys Badewanne“ über „Cykkelmyggen“ bis „Cirkeline“ ist Teil meiner Kindheit gewesen, deshalb fühle ich mich sehr geehrt die Möglichkeit zu haben Jannik Hastrup nach der Premiere seines neuen Films „Cirkeline, Coco und das wilde Nashorn“ im Interview zu begegnen.
Wie auch das junge Publikum in Haus der Kuturen der Welt, so bin auch ich begeistert von diesem Kinderfilm.
Jannik hat eine sehr beruhigende Stimme und wenn er lächelt, ändert sich der Klang seiner Stimme ein wenig, während seine blauen Augen funkeln.

Warum erzählst du immer wieder Geschichten über die kleine Cirkeline, was macht sie so besonders?
Dafür gibt es viele Gründe. Ich habe ja viele Jahre – seit ich jung war - damit verbracht diese kleine Familie von Cirkeline und ihren Freunden aufzubauen. Ich habe ein ganzes kleines Universum erschaffen, in das es immer leicht ist wieder einzusteigen.

Wo findest du die Inspiration für deine Filme?
Alles entspringt der Realität. Es war meine erste Frau Hanne, die Cirkeline gezeichnet hat und zu dieser Zeit lebten wir in einem Landhaus, wo Nachts die Mäuse rumgerannt sind, deshalb war es ganz natürlich, dass Cirkelines Freunde Mäuse sein sollten. Und als die Mäuse dann in die Großstadt gezogen sind (in „Cirkeline – Mäuse der Großstadt“), geschah dies, weil ich auch in die Stadt gezogen war. Das erste was ich sah, wenn ich auf der Straße ging war es ein türkischer Gemüsehändler, und dann ist es ja klar, dass wenn die Mäuse zum Gemüsehändler gehen, dass dort eine türkische Maus lebt.




Und was hat dich bei "Cirkeline, Coco und das wilde Nashorn" inspiriert? Es war die Frage, was passieren würde, wenn Cirkeline einen schwarzen Freund bekommen würde? Woher soll sie kommen? Cirkeline wurde auf dem Tisch des Zeichners geboren, also Lebt Cirkelines Freundin vielleicht auf einer Kakaobox. Mein Enkelkind nennt sich selbt Coco, sie heißt eigentlich anderes, aber sie hat auch dunkle Haut, also kommt die Inspiration vielleicht auch ein bisschen von ihr. Aber nur in diesem Film geht es ja eigentlich um Ingolf und Osvalt und das große Nashorn. Die Geschichte von Cirkeline Coco und Ingolf, der sich in Coco verliebt ist vermutlich nur ein kleiner Teil der Geschichte.
Es gab ja am Ende ein kleines Durcheinander, ob das große Nashorn jetzt Mutter oder Vater ist, aber ich dachte, dass es ja eigentlich mehr darum geht, ein Elternteil zu haben, ob Mama oder Papa ist vielleicht gar nicht so wichtig. Aber der dänische Produzent dass es schwierig für Kinder ist, wenn sie nicht wissen, ob es Mutter oder Vater ist.
Was denkst du denn? fragt Jannik mich plötzlich.
Ich mag diesen Aspekt im Film! Kinder sind ja nicht dumm. Ich finde durchaus, dass man ihnen die Aufgabe geben kann darüber Nachzudenken, antworte ich.

Was hat dich dazu bewegt, Animationsfilme zu machen?
Ich habe mich in der Schule gelangweilt. Ich bin zwar wirklich kein guter Leser, aber alle die alten nordischen Sagen und Folkslieder habe ich wie Bilder in meinem Kopf gesehen. Damals verließ ich die Schule und probierte verschiedene Berufe aus. Aber eines Tages da dachte ich, jetzt gehe ich nach Hause und versuche ob ich Animationsfilme machen kann. Und seit dem ist mir nichts anderes eingefallen.



Du machst ja nun schon seit vielen Jahren handgezeichnete Animationsfilme, hat die technische Entwicklung deine Filme beeinflusst?
Nö, das habe ich ja nicht wirklich mitverfolgt. Eigentlich hat das mich nicht wirklich interessiert. Weißt du, damals als der Synthesizer erfunden wurde, haben die Musiker ja auch nicht einfach ihre Arbeit hingeschmissen, nur weil die Klänge nun auch elektronisch erzeugt werden konnten. Aber natürlich gab es Laufe der Jahre einen Rückgang der handgezeichneten Animationsfilme.

Was ist für dich das wichtigste Element in einem guten Kinderfilm? Das ist die Geschichte. Natürlich ist es gut, wenn man ein gutes Design hat, aber es ist in erster Linie die Geschichte, in die sich die Kinder einleben.

Ich bedanke mich bei Jannik Hastrup für dieses angenehme Gespräch, in dem ich zwischendrin beinahe vergessen habe, dass ich gerade ein Interview führe und hole – so wie die vielen Kinder vor mir – mein Ticket aus der Tasche und lasse Jannik darauf Unterscheiben.
Ein Autogram vom dänischen Meister der Animation. Das hat nicht jeder!

21.02.14, Liv Thastum

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