Aus Superheld wird Superheldin

Im Gespräch mit Stycie Waweru, der Hauptdarstellerin von Supa Modo

SPOILER ALERT

For English Version

Nach der berührenden Premiere von Supa Modo am Sonntag hatten wir heute die Gelegenheit, mit der Hauptdarstellerin Stycie Waweru im überfüllten Cinestar direkt nach der zweiten Vorstellung des Filmes zu sprechen - umringt von nach Autogrammen bettelnden Fans. Viel Wichtiges war bereits im Publikumsgespräch thematisiert worden. So sprach die Produzentin dieses deutsch-kenianischen Produktionskollektivs von einer unglaublichen Offenheit in Deutschland gegenüber afrikanischen Filmen im Zusammenhang mit Filmfestivals wie der Berlinale, aber gleichermaßen einer Aussichtslosigkeit, solch einen Film im normalen TV zeigen zu können. Dies stieß auf Empörung, hatte der Film doch allen sehr gut gefallen.

Da der Regisseur durch unglückliche Umstände leider nicht nach Berlin hatte reisen können und der Drehbuchautor nach dem Screening direkt seinen Flug zurück nach Kenia nehmen musste, konnten wir uns in unserem Gespräch ganz auf die entzückende Stycie konzentrieren.

freie Generation Reporter: Hallo Stycie! Na, wie findest du es bisher auf der Berlinale? Musstest du schon viele Interviews führen?

Stycie: Ich liebe es! Es ist wirklich unglaublich interessant. Gestern musste ich schon einige Interviews führen, aber wir hatten auch Zeit, ein bisschen einkaufen zu gehen und haben Schokolade bekommen.

fGR: Na, das klingt auf jeden Fall schon mal aufregend! Möchtest du uns ein bisschen über dich erzählen?

Stycie: Ich bin elf Jahre alt und lebe in Kenia (Afrika). Für mich persönlich ist das nicht das erste Mal, dass ich in einem Film dabei bin. Ich möchte gerne Schauspielerin und Ärztin werden und ich liebe Tiere. Für die Berlinale habe ich Kenia zum ersten Mal verlassen und heute Abend geht es dann auch schon wieder zurück.

fGR: Weißt du, ob der Film dann auch in Kenia gezeigt wird? Also werden deine Freunde auch eine Gelegenheit haben, den Film anzusehen?

Stycie: Ja, er wird am 27. März ausgestrahlt! Dafür bin ich dann wieder in Kenia. Bis dahin wird der Film noch auf einigen anderen Festivals gezeigt und da komme ich dann auch immer mit. Allerdings weiß ich nicht genau, wann das alles ist und wie lange das dauert.

fGR: Ist das Leben in einem kenianischen Dorf, so wie es im Film gezeigt wird, repräsentativ? Lebst du auch dort?

Stycie: Nein, ich lebe nicht dort, aber bis zu meinem vierten Lebensjahr habe ich tatsächlich in sehr ähnlichen Verhältnissen gewohnt. Dann sind wir umgezogen.


fGR: Hattest du denn persönlich schonmal Kontakt mit dem Thema Krebs? Wie gegenwärtig ist dieses Thema in Kenia?

Stycie: Ich kannte mal jemanden, der Krebs hatte und sie ist dann gestorben. Aber abgesehen von ihr hatte ich keinen weiteren Kontakt dazu und das Thema findet sich auch nicht überall. Zumindest bekomme ich nicht so viel davon mit.

fGR: Musstest du dich dann gesondert auf diese Rolle vorbereiten, um der Situation mit der Krankheit gerecht werden zu können?

Stycie: Nein, nicht wirklich. Ich habe eigentlich immer nur das getan, was mir gesagt wurde, und das scheint dann funktioniert zu haben.

fGR: Was war dein Lieblingsmoment während des Drehs? Und gab es vielleicht auch mal Schwierigkeiten?

Stycie: In einer Szene wollen wir es so aussehen lassen, als würde ich fliegen. Dabei habe ich eigentlich nur auf einem Holzbrett gelegen, das blau angemalt war und dadurch wie der Himmel aussah. Ich musste mich darauf so bewegen, als würde ich fliegen. Das war lustig! Und am schwersten waren die Szenen für mich, in denen ich rennen musste. Mir wurde immer gesagt, ich würde viel zu langsam rennen, aber ich konnte nicht schneller!

fGR: Wie war es für dich, den Film in so einem großen Saal wie dem Haus der Kulturen der Welt anzuschauen?

Stycie: Es hat sich schön angefühlt. Das war das erste Mal, dass ich den Film gesehen habe und es war unglaublich, mich selbst auf der Leinwand zu sehen! Gleichzeitig haben die Reaktionen des Publikums mich manchmal etwas verwirrt, weil ich nicht ganz verstanden habe, warum sie jetzt gelacht haben. Und ich musste auch ein bisschen weinen, weil es so traurig war.

fGR: Das ging aber wirklich allen so! Möchtest du uns noch etwas über den Casting-Prozess erzählen? Wir haben gehört, die Rolle war eigentlich für einen Jungen gedacht?

Stycie: Ja genau, eigentlich hieß meine Rolle Joshua und war ein Junge und zu Beginn wurden tatsächlich auch nur Jungs gecastet. Dann sind aber Mädels aufgetaucht und denen wurde klar, dass wir das auch draufhaben. Sie haben festgestellt, dass man die Rolle auch einfach einem Mädchen geben könnte. Von da an war die Situation offen, ob Junge oder Mädchen Jo spielt und wir durften auch zum Casting gehen. Dann bin ich gekommen und hab sie überzeugt. Also wurde aus Joshua Joana!

fGR: Was hältst du von dem Ende des Films?

Stycie: Dass ich sterbe?

fGR: Dass dein Charakter stirbt!

Stycie: Ich finde, es ist sehr traurig, aber trotzdem ist es auch wieder schön, weil es der Wahrheit entspricht. Jeder muss irgendwann sterben. Das ist auch ok. Das ist auch die Botschaft, die ich persönlich für mich aus dem Film mitnehme und die sicherlich auch andere Kinder meines Alters so aufgreifen.

fGR: Dann danken wir dir sehr für das Interview, Stycie! Hab noch eine schöne Zeit in Berlin!

Und kaum haben wir uns zurückgezogen, ist sie von den nach Autogrammen kreischenden Kindern vollkommen belagert und kaum noch zu sehen.


19. Februar 2018, Sarah Gosten



Superman Becomes Superwoman


After the touching premiere of Supa Modo on Sunday we had the opportunity to talk to lead actress Stycie Waweru in the crowded Cinestar right after the second screening of the film - surrounded by fans begging for autographs. Much important information had already been discussed in the Q&A. The producer of this German-Kenyan production collective spoke of both an incredible openness in Germany to African films in connection with film festivals such as the Berlinale, but also of the impossibility of showing such a film on normal TV. This aroused outrage as everyone liked the film very much.

Unfortunately, the director had not been able to travel to Berlin due to unfortunate circumstances and the screenwriter had to take his flight back to Kenya right after the screening, so we were able to concentrate on the enchanting Stycie in our conversation.

Free Generation Reporter: Hello Stycie! Well, what do you think of the Berlinale so far? Did you had to do a lot of interviews already?

Stycie: I love it! It's really interesting. Yesterday I had to do some interviews, but we also had time to go shopping and we got some chocolate.

fGR: Well, that does sound exciting! Would you like to tell us a little bit about yourself?

Stycie: I am eleven years old and live in Kenya (Africa). For me personally, this is not the first time I've been in a film. I want to be an actress and doctor and I love animals. For the Berlinale I left Kenya for the first time and tonight I'm flying back again.

fGR: Do you know if the film will be shown in Kenya? So, will your friends have a chance to watch the movie, too?

Stycie: Yes, it will be broadcasted on March 27th! I'll be back in Kenya for that. Until then, the film will be shown at some other festivals and I'll always join that. I don’t know, though, when all of that will be. Everything just gets organized for me.

fGR: Is life in a Kenyan village, as shown in the film, representative? Do you live there, too?

Stycie: No, I don't live there, but until I was four years old I actually lived in very similar conditions. Then we moved to a bigger city.


fGR: Have you ever had personal contact with cancer? How current is this topic in Kenya?

Stycie: I once knew someone who had cancer and she died. But apart from her, I had no further contact with anyone suffering from cancer and the topic does not come up that often. At least I don't hear much of it.

fGR: Did you then have to prepare yourself separately for this role in order to cope with the situation with the illness?

Stycie: No, not really. I actually just always did what I was told and that seemed to have worked.

fGR: What was your favourite moment during the shooting? And were there any difficulties?

Stycie: In one scene we wanted to make it look like I'm flying. Actually, I was only lying on a wooden board that was painted blue and looked like the sky. I had to move on it like I was flying. That was fun! Because everyone thought it was the real thing! And the most difficult were the scenes for me, in which I had to run. I was always told that I was running too slowly, but I couldn't run any faster!

fGR: How was it for you to watch the film in such a large hall as the House of World Cultures?

Stycie: It felt nice. That was the first time I saw the film and it was incredible to see myself in the movie! At the same time, the audience's reactions sometimes confused me a bit, because I didn't quite understand why they laughed in some scenes. And I also had to cry a little bit because it was so sad.

fGR: Well, everyone had to cry! Would you like to tell us something about the casting process? We heard the part was actually meant for a boy?

Stycie: Yes, exactly, actually my character was called Joshua and was a boy and at the beginning there were actually only boys casted. But then some girls showed up and they realized that we were just as good or better. So, they decided that girls could also play the part. From then on the situation was open whether boy or girl played Jo and we were allowed to go to the casting. Then I came and convinced them. So Joshua became Joana!

fGR: What do you think of the end of the movie?

Stycie: That I'm dying?

fGR: That your character dies!

Stycie: I think it's very sad, but still it's beautiful again because it's true. Everybody has to die at some point. And that's okay. That’s just the way it is. This is also the message that I personally take with me from the film, and that I am sure other children of my age will take up in this way.

fGR: Thank you very much for the interview, Stycie! Have a nice time in Berlin!

And as soon as we stepped back from the table, the awaiting crowd stormed towards her so that she disappeared in the crowd.


19th February 2018, Sarah Gosten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen