Why do you wanna join the Army?


Mein letzter Film am Sonntagmorgen hieß „Soldado“; eine Dokumentation über das Leben eines Soldaten in Argentinien. Der 18-jährige Juan entscheidet sich mehr oder weniger aus Zwang dazu, in die Armee einzutreten und sein späteres Leben dort zu verbringen.
Warum er das tut? Das kann er eigentlich gar nicht richtig beantworten, er stammelt etwas von „zu Gunsten meiner Mutter“ und „um einen Vollzeitjob zu haben“. Eine wahre Überzeugung von Herzensblut schwingt dabei allerdings nicht mit.

Juan findet sich schnell mit der Situation ab, er erledigt seine Aufgaben tüchtig. Ihm wird der Job als Trommler zugesprochen, der eine sehr wichtige Funktion in dem Leben des Militärs spielt. Unter der Verwendung von Trommel-Cues wird einer Tradition nachgegangen. Außerdem sind sie die Signale für bestimme Zeiten, Aktionen oder elementar bei festlichen Märschen.

„Soldado“ ist eine sehr angenehme Dokumentation, die gleichzeitig erfrischend wirkt. Durch eine ruhige, fokussierte Kameraführung wird die Monotonie realistisch auf den Zuschauer übertragen. Die Bilder sind meist in grau-blau gehalten und mit prägenden Geräuschen untermalt. Alle Sounds, die abgespielt wurden, sind vor Ort aufgenommen worden, wie z.B. das charakteristische Getrappel der Soldaten, die lauten auffordernden Rufe der Offiziere oder die Marschmusik. Da in diesem Film viel Wert auf die Geräuschkulisse gelegt wurde, ist fast keine normale Filmmusik zu hören.

Faszinierend finde ich die Wahl der Perspektiven, denn der Regisseur Manuel Abramovich fängt Momente in unerwartenden Ausschnitten auf. Er hält die Kamera nicht auf die Person, die gerade spricht, sondern filmt über den Hinterkopf des Protagonisten und lässt den gerade Agierenden unscharf. Besonders eine Szene, die mir in Erinnerung geblieben ist, zeigt nur die Spitze eines Stabes, (den die Soldaten bei offiziellen Anlässen tragen), die immer auf und ab wippt, weil einer aus dem Militär damit Kunststücke vollführt.
Dadurch bekam ich das Gefühl intensiver dabei zu sein und die Sicht von Juan besser nachzuvollziehen.
Im anschließenden Publikumsgespräch erklärt der Regisseur, dass er die Soldatenformationen auf dem Trainingsplatz teilweise so wie ein Ballett aussehen lassen wollte. Er wollte der Dokumentation somit auch etwas Tänzerisches verleihen.

„Soldado“ ist ein sehr schlicht gehaltener Film, er soll nur das Leben eines argentinischen Soldaten zeigen. Es gibt auffallend wenig Dialoge, wodurch man fast keine Emotionen spüren kann. Doch genau das war wahrscheinlich das Ziel, Soldaten sollen keine Gefühle zeigen, sind jedoch trotzdem Menschen. Auch sie trauern und bilden eine enge Gemeinschaft. Denn ich finde, dass das Wort „Soldat“ mittlerweile schon so abstrahiert ist, dass man es sohar als Synonym für verkrampfte Steifheit und Emotionslosigkeit zuspricht.
Hierbei gefehlt haben mir trotzdem das drastische Aufzeigen der negativen Seiten des Lebens von einem, der sich dazu verpflichtet, für sein Land in den Krieg zu ziehen. Ich persönlich neige sogar dazu zu behaupten, dass diese Lebensweise ein wenig verherrlicht wurde.

Nichts desto Trotz ist dieser Film interessant anzusehen, um einen kleinen Einblick in diese Welt zu bekommen. Für Zuschauer, die viel Action erwarten, ist „Soldado“ wiederum nicht geeignet.
19.02.17, Eva Swiderski

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