Das Sprachrohr eines Filmteams


Viele Filmteams aus aller Welt besuchen die Berlinale und beantworten nach den Screenings die Publikumsfragen. Englischsprachige Filmemacher haben es da sehr leicht, aber was ist, wenn man aus Afrika, China oder Korea kommt? Ganz einfach - es müssen Dolmetscher her! Halym Kim, Übersetzer für das Filmteam des Preisträgers „Becoming Who I Was“, hat sich für Sarah und mich die Zeit genommen, ein paar Fragen zu dem Thema zu beantworten. Er spricht koreanisch und war dieses Jahr zum ersten Mal auf der Berlinale als Dolmetscher tätig.

fGR: Wie bist zu diesem Job gekommen?
Halym: Eine Freundin arbeitet jedes Jahr bei Generation und sie hat mich gefragt, ob ich zufällig Zeit hätte, weil sie noch ganz dringend einen Übersetzer gesucht haben. Das war etwa eine Woche vor der Berlinale.

Hast du den Film also auf der Berlinale zum ersten Mal gesehen? Und warst du auch mehrfach in den Vorstellungen?
Halym: Ja, das war das erste Mal. Ich hatte zwar einen internen Link, über den ich auf den Film zugreifen konnte, aber da waren Wartungsarbeiten auf der Homepage, deswegen konnte ich den Film erst auf der Premiere sehen, also mit euch.
Am Donnerstag waren wir dann noch einmal im Film, Freitag und Sonntag aber nicht mehr. Wir waren dann draußen und sind gegen Ende des Filmes reingegangen, wurden angekündigt und haben das Publikumsgespräch gemacht.

Wieviel Kontakt hattest du denn zum Filmteam?
Halym: Sehr viel. Zur Premiere haben wir uns kennengelernt. In den nächsten Tagen haben wir uns immer eine halbe Stunde vorher getroffen und an manchen Tagen sind wir nach dem Film oder jeweiligen Event Kaffee trinken gegangen und haben uns ein, zwei Stunden unterhalten.
Am Montag sind sie wieder abgereist.

Hast du irgendwelche spannenden Insider erfahren?
Halym: Es gab schon lustige Sachen. Zum Beispiel an dieser Stelle im Film, als der Hauptdarsteller das Feuer im Kamin angezündet hat - da wussten die echt nicht, was sie machen sollen. Die eine meinte „Ich konnte mich gar nicht einkriegen vor Lachen“, aber sie konnte natürlich nicht laut lachen.

Und wie fandest du den Film?
Halym: Wirklich schön. Ich fand ihn sehr spannend, lustig und natürlich emotional. Aber als ich dann diese ganzen Hintergrundgeschichten gehört habe, unter welchen Umständen der Film gedreht wurde und wie das finanziell für die war, warum das letztendlich wirklich acht Jahre gedauert hat, da fand ich das Resultat umso bemerkenswerter, weil da echt viel Arbeit und Geld aus eigener Tasche eingeflossen ist.
Die haben nur zu dritt gedreht und hatten ab und zu Drohnen. Es gab zwar Crowd-Funding, aber nicht für acht Jahre. Damit waren auch viele Zweifel verbunden, ob sie das noch zu Ende bringen — das stand wirklich auf der Kippe.

Hast du dich im Laufe der Zeit auf der Bühne sicherer gefühlt?
Halym: Ja. Am Mittwoch war es tatsächlich am entspanntesten. Donnerstag war es hektischer, da gab es andere Fragen und auch der Ablauf war anders.
Ich fand die Fragen von den Kindern sehr süß. Von den Erwachsenen kamen eher komplizierte Fragen, wo ich erst einmal überlegen musste, wie ich das überhaupt übersetze.
Einmal hat aber auch ein Junge gefragt, ob die Zahlen stimmen, weil ein Handschuh 50 Rupie und das Hotel 300 Rupie gekostet hat, was das für ein Verhältnis ist. Das fand ich sehr bemerkenswert, vor allem weil das im Film gar nicht gesagt wurde, dass das Hotel 300 Rupie kostet, sondern er das an den Scheinen, die auf dem Tisch lagen, abgezählt hat.

Wir hoffen, Halym auch nächstes Jahr auf der Berlinale zu treffen!

26.02.2017, Johanna Gosten

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